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französischen Zeitschriften. So sehr auch diese Beiträge anBedeutung hinter der vorerwähnten Thätigkeit zurückstehen,so gewähren sie doch den Deutschen gute Gelegenheit, auchihrerseits auf die Bildung des Volksgeistes einzuwirken, wieihnen das gleichermaßen durch ihre zahlreiche Beteiligungam Lehramt vergönnt ist. Der Volksgeist aber — unddies sei zu seinem Ruhme gesagt — kümmert sich umStammesunterschiede nicht, wenn sie sich nur in seine Artzu schicken wissen.
Nur wenigen wird es bekannt sein, daß die beidengrößten französische» Preise iu den letzten Jahren Deutschenzugefallen sind. Der Preis für dasjenige wissenschaftlicheWerk, welches Frankreich die meisten Ehren eintrüge, wurde,nachdem ihn zuerst Thiers erhalten, im darauffolgendenJahre Oppert zugesprochen, dem Erklärer der Keilschrift,einem unverfälschten Deutschen. Ebenso ging es mit demPreise, welchen Ruhmkorff für die sinnreichste und nützlichsteVerwendung der Elektrizität errang. Niemand hat diesemerkwürdige Erscheinung beachtet, noch macht sich jemandeine Vorstellung davon, wieviele deutsche Federn zurLitteratur der Zeitungen und Zeitschriften beisteuern. Aller-höchstens kennt man noch Albert Wolf , den Ritter von derstreitbaren Plauderei, der seine Waffe so gewandt und spott-lustig zu schwingen versteht, daß man fast versucht seinkönnte, an der Existenz der nach allgemeiner Übereinkunft„Gallischer Geist" genannten Spezialität zu zweifeln.
Wir wollen von keiner Seite um die nationalen Ver-schiedenheiten klagen, die in solcher Weise unbemerkt bleiben.Dieser Vorgang ist das ehrenvollste Zeugnis für beide Teileund deutet auf eiue der schönsten Tugenden des französischenVolkes hin. Kein anderes Volk der Welt beweist demFremden in gleichem Maße jene Gastlichkeit des Herzens,jene naive Güte, deren höchstes Verdienst darin besteht, daßsie sich selbst nicht kennt.