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in diese Bahnen zu drängen! Verfänglich ist selbst die ansich verteidigbare Redewendung, daß die Nation um ihrereigenen Ehre willen die Wissenschaft unterstützen müsse. Jeweniger in diesen Dingen die Rede ist von allem was nachdem „Marsch an der Spitze der Zivilisation" klingen könnte,desto besser!
Nicht Ruhmestempel zur preiskrönenden Ermunterung,sondern Arbeitsstätten und Arbeitsmittel soll das Gemein-wesen dem Gelehrtentum widmen, und nur da, wo sichtbardie individuellen Hilfsquellen der Aufgabe nicht gewachsensind. Am besten kennzeichnet sich der Fall da, wo aus derfreien und stillen Arbeit der einzelnen allmählich ein solcherUnterbau entstanden ist, daß die Fortführung Mächtigeresheischt als was Einzelkräfte leisten können. Das genau istder Gang der Dinge in der Geschichte unseres archäologischenInstituts zu Rom gewesen.
Im Jahr 1829 gründeten einige Gelehrte im Bundemit Gönnern der Wissenschaft zu Rom diese Gesellschaft.Der wahre Schöpfer und die Seele des Ganzen war dergelehrte Gerhard; die weltliche Leitung, so zu sagen, kamin die Hände des Herrn v. Bunsen, des langjährigenPreußischen Gesandten in Rom (später in London ). Nebenihnen figurierten bei der Stiftung unter andern noch Welckerund Thorwaldsen. Auch Engländer und Franzosen be-teiligten sich an der Schöpfung, von letzteren in erster Reiheder Herzog von Blacas, einer der höchstgestellten jenerAristokraten, die in Frankreich wie in England so viel mehrfür Wissenschaft und Kunst leben als unser beinahe aus-schließlich für die Uniform dressierter Adel.*) Auch derHerzog v. Luynes, einem der ältesten und reichsten Ge-