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traten. Eine Münzwissenschaft haben wir jetzt nicht, weilwir keine entsprechenden Sammelwerke besitzen. Was inder-eigentlichen Archäologie solche Vereinigung leisten kann,hat zuerst Gerhards große Sammlung der etruskischenSpiegel gezeigt. Das Institut hat seit Jahren begriffen,daß es durch Veröffentlichung der wichtigen Novitäten seinenZweck nur halb erfüllte, daß zusammenfassende Gruppen-veröffentlichungen eigentlich erst das wahre Fundamentseiner Arbeiten zu schaffen haben. Soweit seine Mittelreichten, hat es dergleichen ins Leben gerufen; fast der ge-samte Reservefonds ist dafür verwendet oder präliminiert.Von den etruskischen kleinen Sarkophagen, den sogenanntenAlabaster-Urnen, ist der erste Band, 100 Tafeln umfassend,auf Kosten des Instituts von Professor Brunn in München hergestellt worden, der zweite Band in der Herstellung be-griffen. Eine ähnliche noch umfassendere Arbeit über dierömischen Sarkophage ist dem Dr. Matz in Göttingen vomInstitut übertragen. Arbeiten sind reichlich, Arbeitsstoffist überreichlich vorhanden; Statuen, Vasen, Mosaiken,Stadtanlagen, Architekturreste aller Art erwarten noch ähn-liche Fundamentierung; es sind ungeheure Arbeiten nochzu bewältigen, großartige Resultate zu erwarten. Das in-dividuelle Talent kann der Staat nicht schaffen, kaum fördern.Aber die Arbeitmassen, welche der einzelne Forscher nichtbewältigen kann, die durch-sich selbst das individuelle Talentsteigern und disciplinieren, kann der Staat herstellen, under sollte es, wenn nicht aus Ehrgefühl, so doch aus Klug-heit. Unsere deutsche Forschung ist in einer gefährlichenLage. Der Wettstreit der Nationen droht auf diesem Ge-biet aufzuhören, und in anderen Richtungen pulsiert dasLeben der Nation jetzt so kräftig' daß die früher nicht mitUnrecht gescholtene Hypertrophie der deutschen Wissenschaftleicht in Atrophie sich umwandeln könnte, die denn doch