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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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Das enge und baufällige Haus muß erneuert und mitWohnräumen ausgestattet werden, welche den gelehrtenResidenten sichere und zweckmäßige Zuflucht bieten eineVerwendung, die übrigens bei Erhebung einer billigen Mietedem Reiche gestatten wird, auf deu entsprechenden Teilseiner Kosten zn kommen. Besonders aber muß ein ge-nügender Bau für die kostbare Bibliothek aufgerichtet werdeu,welche in letzter Zeit noch ansehnliche Schätze aus demNachlaß Otto Jahns und Dr. Partheys teils käuflich,teils als Legat erworben hat, ohne sie unterbringen zukönnen. Das Interesse der einheitlichen Leitung wie desZusammenhangs mit der heimischen Pflege wird gebieten,daß der formale Sitz der Oberleitung nach wie vor inBerlin verbleibe. Aber es wird der Erweiterung des In-stituts znr Reichsanstalt darin Rechnung zn tragen sein,daß auch andere als Berliner Gelehrte in diese Oberleitungmiteinberufen werden. Vor allem muß wohl München An-gezogen werden, natürlich unter solchen statutarischen Be-stimmungen, daß die auswärtigen Direktoren nicht jederSitzung beizuwohnen brauchen, aber jeder beizuwohueu be-rechtigt sind, und durch Reise-Entschädigung in den Standgesetzt werden, wenigstens einmal im Jahre zu einer Haupt-sitznng sich uach Berlin zu begeben. Das übrige mag durchKorrespondenz im Gang erhalten werden. Denn wir müssendarauf bedacht sein, über den Vorteilen der Ausdehnungnnd Konzentration unserer Kräfte nicht auch die Vorteileder über ganz Deutschland verbreiteten geistigen Lebens-thätigkeit preiszugeben. Das gilt besonders in wissen-schaftlichen Dingen. Wir haben an uns und andern genugüber Zentralisation und Dezentralisativn gelernt und beob-achtet, um zu wisseu, daß in keiner von beiden Methodeneinseitig das Heil liegt, sondern daß es aus einer glücklichenVerteilung beider zu erwerben ist.

Ludwig Bambcrgcr's Gcs, Cchrlstcn, I. io