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III.
Der Reichstag hat sich nicht begnügt, die Übernahmedes römischen Instituts zu begehren. Auf Antrag der er-wähnten Gruppe und mit derselben Einmütigkeit hat erseinem Beschluß einen zweiten Teil beigefügt, dahin zielend:„die Gründung einer Zweiganstalt dieses (des römischen)Instituts in Athen ins Auge zu fassen und eventuell eineentsprechende Summe dafür in den Haushaltsetat von 1874aufzunehmen."
Schon im preußischen Landtag hatte Prof. Forchhammer1868 diesen Gegenstand angeregt. Soll überhaupt einmalder Erforschung des klassischen Altertums auf ihrer Weg-bahnuug Beistaud geleistet werden, so bedarf es kaum derMotivierung des Ansinnens, welches auf Griechenland hin-weist. Griechenland und Rom verhalten sich wie Originalund Kopie. Wäre das Gerhardsche Institut uicht in denGrenzen persönlicher Initiative, sondern nach planmäßigerAbsicht entstanden, so hätte es sich gewiß nicht mit Italien begnügt. Aber gerade den Mitteln der einzelnen entsprachdie römische Gründung besser. In der ewigen Stadt hatseit den großen Kriegen der alten Republik bis herab aufdas jüngste Papsttum die Eroberung, die Weltherrschaft,der Durst nach Reichtum und der Durst nach Genuß undGlanz in Konsuln, Patriziern, Kaisern, Prokonsulu, Päpsteuund Nepoten das Unmögliche aufgeboten, um die Plätze,Paläste, Gärten und Kirchen, kurz die ganze Stadt, zueinem großen Museum der Kunst und Geschichte des Erd-kreises herzurichten. Diese Zentralisation machte es auchder Privatthätigkeit möglich, hier mit beschränkten Mittelnunausgesetzt am reichsten Stoff zu arbeiten. Anders siehtes in Griechenland aus. Seitdem Rom seine rauhe undgierige Hand über die zerfallenden Staaten von Hellas aus-