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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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In anerkennenswerter, aber freilich ganz ungenügender Weisehat bisher die preußische Regierung diesem Bedürfnis da-durch entgegenzukommen gesucht, daß sie sich zum Grundsatzmachte, die Stelle eines ständigen,,8sczr«wirk interprstk"bei ihrer Gesandtschaft in Athen einem jungen Philologenzu geben. Eine deutsche Schule in Athen wäre zugleicheine wissenschaftliche Station für die Altertumsforschung imganzen Orient. Griechenland ist für die alte Kultur, wiebis heute für den maritimen Verkehr, der Nbergangspunktzwischen Asien und Europa . Griechen bevölkern noch heuteinen großen Teil des geschichtlich interessanten Orients undunterhalten ihre Beziehungen zu dem Mutterlande. VonAthen aus Verbindungen und Expeditionen nach der Levanteherzustellen wäre ein leichtes, und welcher reichen Ausbeutekönnte aus einer von Rom über Athen nach der Levantesich erstreckenden Kette von wissenschaftlichen Observatoriender in unsern Zeiten so tief angeregte Sinn für kritischeund philosophische Geschichte des Menschengeschlechts ent-gegensehen !

Trotz aller dieser Lockungen darf nicht verschwiegenwerden, daß vielleicht für Errichtung der Schule in Athenetwas weniger rasche Förderung in Aussicht steht als fürdie Umwandlung des preußischen Instituts zu Rom in eineReichsanstalt. Es kommen da eigentümliche Bewandtnissepolitischer Natur ins Spiel, uud der Nachdenkende wirddie Analogie erraten, zwischen der Bereitwilligkeit nebendem Jesuiten -Kollegium zu Rom eiuen Herd deutscher Wissen-schaft zn unterhalten und dem gewissen Widerstreben, einesolche Kolonie nach Griechenland zu trageu. Auch dieseeinem andern Bereich entstammenden Betrachtungen habenihr Recht, und einstweilen gaben uns die Vertreter desReichskanzleramtes die Erklärung: daß es auch auf dieSchule von Athen einzugehen bereit sei.