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Wer dort länger verweilt und in fester Stellung ist, würdemanches erreichen, was dem einzelnen Gelehrten unmöglichist. Wenn man diesen Agenten nicht in der Weise wiedie römischen Sekretäre fest anstellt, sondern ihn öfter, viel-leicht jedes zweite Jahr, wechselt, so kann für die größerenwissenschaftlichen Unternehmungen successive genügend ge-sorgt werden; stehende Berichte an das Institut über diearchäologischen Neuigkeiten, die nächst Rom kein Ort sozahlreich bietet wie Paris , wären damit durchaus vereinbar.Die Besoldung würde mit 1200 bis 1500 Thalern zu nor-mieren sein; die Besetzung könnte erfolgen wie die derrömischen Sekretäre, nur daß sie nicht auf Lebenszeit,sondern auf ein Jahr oder mehrere stattzufinden hätte."
IV.
Wir haben den nationalen Ehrenpunkt nicht als voll-wichtiges Moment zur Förderung idealer Bestrebungengelten lassen. Aber was vom eigenen Standpunkt derWissenschaft und Kuust aus nur einer sekundären Berechti-gung sich erfreuen mag, das kann unter dem Gesichtspunktdes direkten politischen Interesses der Nation sehr wohleine selbständige Würdigung beanspruchen. Gesellt sich einsolches praktisches Interesse zur Verfolgung von schon ansich erhabenen Zwecken, dann um so besser! Und so ver-hält es sich hier. Unser Mühen um die Geschichte, Sprache,Kunst einer anderen Nationalität ist geeignet, uns politischauf freundschaftlichen Fuß mit ihr zu setzeu. Zwar hat sichdies an Frankreich nicht bewährt, dessen Studieu über dieeigene Sprachentwicklung eingestandenermaßen am meistenvon deutschen Gelehrten in wissenschaftliche Bahnen geleitetworden sind. Aber man darf die Franzosen , wenn schonüberhaupt nicht, besonders nicht da zum Maßstab nehmen,