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Eselei von der Pflicht, nach einem Sedan ohne weiteresheimzukehren, in Schwung gekommen von einem Endeder Welt zum andern. Schon deshalb nicht, weil wir selbstniemals die Anmaßung gehabt hätten, dergleichen Unver-stand zu prätendieren. Ich habe einmal in diesen Blätternselbst die Frage aufgeworfen und unbeantwortet gelassen:woher es komme, daß die Franzosen sich so sehr der Gunstder andern Nationen erfreuten? Und doch ist die Lösnngso naheliegend, daß es mir wunderlich erscheint, lange dar-über nachgesonnen zu haben! Das Phänomen erklärt sichganz einfach daraus, daß die Franzoseu im vorigen und indiesem Jahrhundert dem größten Teil der höheren Gesell-schaftsklassen ihre Bildung gegeben haben, daß in einemgroßen Teil der gesitteten Menschheit noch heute Politiker,Juristen, Zeituugsleser, Herren und Damen der vornehmenWelt, große uud kleiue Humanisten nach französischen Bor-schriften denken. Die Köpfe selbst sind durch den Einflußder französischen Litteratur, Kunst, Politik, Sprache, Modeso bearbeitet worden, daß man kühnlich behaupten kann:die Funktionen des Gehirns sind ihnen nach französischemGedankengang fa^onniert. Besonders gilt dies natürlichvon den romanischen Völkern (obgleich auch Südwest-Deutsch-land manches der Art aufzuweisen hat). In Italien wirdeinem dies so recht klar, besonders in der nördlicheren Hälfteder Halbinsel, welche seit drei Jahrhunderten mit amstärksten unter dem französischen Einfluß stand. Frankreich mag sie noch so sehr vor den Kopf stoßen, der Kopfläuft mit seinem Denken doch immer wieder ins französischeGeleise. Im vorigen Winter, während eines Aufenthaltsin Florenz , hatte ich einmal auf der Bibliothek der Uffiziietwas nachzuschlagen. Als ich aus dem Arbeitsraum zu-rückkam, um eiuem der Gehilfen die gebrauchte» Bücherwieder zuzustellen, wollte er mir mit der schönen toskani-