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schen Zuvorkommenheit doch ein bißchen die Honneursmachen und fragte: ob ich nicht etwa in den Novitätenkramen möchte, welche zum freien Gebrauch des Publikumsauf zwei großen Tischen am Eingang ausgebreitet liegen.Natürlich nahm ich mit Dank an, schon um zu sehen, welcheTageskost die gelehrte Anstalt ihrem gewöhnlichen Publikumbereit stelle. Wie ich au den Tisch trat, traute ich meinenAugen kaum: ich glaubte vor dem Schaufenster von Trnchyauf dem Boulevard des Italiens oder von Dentu in derRue de la Paix zu stehen. Nichts als französische Gelegen-heitslitteratur: Iriarte, Sarcey, Paul de St. Victor undviele Dutzend andere geringere derselben Gattung. Darfes eineu danach wundern, wenn die Menschen französischdenken? Wir Deutschen könnten es, wollten wir auch, nie-mals so weit bringen in der Propagiernng unseres Wesens.Das einzige Phänomen dieser Art, das wir erlebten, warein gewisses Aufschnappen der Hegelschen und Nach-Hegel-schen Philosophie in den Kreisen der russischen Bildungs-feinschmecker. Aber diese Erscheinung war ihrer Natur nachnur ephemer, und ernster dürfte noch daneben in Anschlagkommen die kleine Gemeinde derselben Philosophie, welchesich in Neapel um den Prof. Vera gruppierte. Die gutenwie die schlechten Eigenschaften unseres Denklebens ver-hindern uns, andern so lieblich mundgerecht und gemein-verständlich zu werden, wie es der anziehenden, französi-schen Darstellung gelingt und ihr den Weg nach allenSeiten hin gebahnt hat. Anderes als das Allerbeste oderstreng Wissenschaftliche dringt selten von uns ins Ausland.Was wird in Italien, England oder Spanien von deutschen Zeitungen, Romanen, Komödien gelesen, während auch dieschlechteste französische Litteratur daselbst mehr oder wenigerdurchschlägt! Wir verstehen auch in Deutschland nochnicht einmal ein Buch so zu heften, daß es nicht beim