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schwülen und staubigen Atmosphäre zu entrinnen. Leugnenläßt sich nicht, daß ein Zug nach Verbildung des öffent-lichen Lebens durch die Welt geht. Sowohl die überallsich vollziehende Ausdehnung des Wahlrechts als des Staats-berufs drängt dazu. Die Massenkämpfe mit ihrer hand-werksmäßigen Ausbeutung aller Leidenschaften uud Vorurteileeröffnen demjenigen die bessere Aussicht, welcher besser alsseine Mitkämpfer den Widerwillen gegen die Berührunguud die Verbrüderung mit Leidenschaft, Vorurteil und allenanderen in der Tiefe schlummernden Mächten überwindenmag. Und auch hier berühren sich die Extreme. Man kannentweder so fest im Besitz von Ansehen und Stellung sein,um sich ohne Furcht vor Einbuße auch in die schlechtesteGesellschaft zu stürzen — die Kirche hat einen guten Magen,kann ungerechtes Gut vertragen — oder man kann so aufgewagtes Erringen angewiesen und angelegt sein, daß mankeinen noch so dunklen Durchgang fürchtet, um erst zuMacht und Ansehen zu gelangen, die hinterher Indemnität,verschaffen. Aristokratische und plebejische Demagogie reichenüber den Stand der Mitte hinaus denen die Hand, welchevon ihnen als die „Enterbten" herbeigerufen und eingeladenwerden, das Erbe in guter Brüderschaft mit ihnen, denEnterbern, zu teileu. Wo der Löwenanteil hinfallen soll,bleibt vorerst zwischen den Bundesgenossen im Unklaren.Nur soviel ist gewiß: der schwerfällige Bär, um dessen Felles sich handelt, wird auf Gemütlichkeit gezähmt, damit erwehrlos still halte. Volksvertreter mit dem höchsten Beruf,bei den Ministern zu speisen, und Bürger, erfüllt von Ab-scheu vor der charakterverderbenden und langweiligen Politikunter einem Staatsregimente, welches für alle großen nndkleinen Geschäfte des Lebens die Sorge übernimmt, welchein himmlischer Aufenthalt für das Heil der Seelen! Welchsinnreiche Kombination, die politische Überwachung der Re-