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Barbarei hat Macht gewonnen über die heutige Welt. Esist, als ob gegen das überwältigende Wachstum der dieMenschen verbindenden friedlichen Künste die rohen undtrennenden Elemente zum letzten Widerstand sich aufraffenwollten. Der Geist der Nationalität, einst aus Vorstellungender Freiheit und Selbständigkeit erwachsen, ist seltsam zumrohen Naturalismus ausgeartet, und in den zu erhöhterSelbstempfindung gelangten Volksseelen destilliert sich daSGift des Völkerhasses. Sollen Metalle von den Schlackengereinigt werden, so setzt man ihnen zuerst noch mehrSchlacken zu. Es ist, als ob eine starke Dosis Barbareizur Macht gekommen wäre, um alle aus vergangenen Zeitenübrig gebliebenen Reste des Barbarentums zuerst an sichund dann, selbst verschwindend, mit sich aus der Zivilisationzu ziehen. Nicht dieser unedlen Beimischung das Feld zuräumen, ist die Ausgabe, sondern geläutert aus dembrodelnden Schaum des dunklen Prozesses Hervorzugeheu.
H.
Offene Antwort an Ludwig Bamberger .
Mein lieber Freund, Sie können sich denken, mit wiegeteilten Gefühlen ich Ihren Aufsatz: „Verdirbt die Politikden Charakter?" in der mir heute zugekommenen Nummerder „Freien Stuuden" gelesen habe. Was Sie über diezwei Weltanschauungen sagen, die Sie höchst prägnant„qualitativ" und „quantitativ" nennen und die sich in dieHerrschaft der Geister teilen, hat natürlich meinen ganzenBeifall. Welche die bessere von beiden sei, sagen Sie nicht.Sie werden sich nicht wundern, wenn ich kecker bin und