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Sie, mein Lieber, aus diesem spröden Holz herausschlagen,wird allen ebenso willkommen sein, wie sie mir es verdächten,wollte ich Ihren Spuren folgen. Sie sind ein Künstlerder Litteratur und Kulturgeschichte; Sie haben die Hörergewöhnt, Ihnen mit Andacht und Behagen zu lauschen.Sie dürfen getrost über Politik reden, weil Sie eben nichtvom Handwerk sind. Aber ich! ^c>t.' möchte ich mitdem Präsidenten des Reichstags ausrufen. Denn das gebeich Ihnen zu: ein vergnügliches Handwerk ist es nicht, undzumal nicht in der lieben Heimat, seine Feder schier drei-ßig Jahre lang „in das Tintenfaß des Sisyphus zu tauchen",wie mir jüngst eine geistreiche Freundin vorhielt. SeienSie ruhig! sie ist füufundsiebenzig Jahre alt. Den Jüngerenimponiert das bischen Druckerschwärze und die Kindertrompeteder?a,ro.a, vulZ1va,As, (zu deutsch : Zeitungslärm) immerhinetwas mehr, wenn auch lange nicht so sehr, wie ein finger-fertiges Klavierspiel oder gar ein sekundenlanger Triller.Jedesmal, wenn ich einen Bericht lese über die imposanteVersammlung von wenigstens tausend Köpfen (in Wirklich-keit waren es fünfhundert), welche in dem größten Saalder Stadt Mann an Mann gedrängt den Worten des „be-rühmten" Redners lauschte, steigt mir die Frage auf: wieviele wären wohl gekommen, wenn man ihnen die fünfMark Eintrittsgeld abverlangt hätte, die sie für das Spieldes Signor N. oder den Gesang der Signora N. N. sowillig zahlen? Es ist schon ein großer Erfolg, falls sieaushalten ohne Bier zu trinken und zu rauchen! SehenSie! So weit bin ich mit Ihnen einverstanden: znr Freudeder Menschen hat Gott die Politiker nicht erschaffen. Wirsind vielmehr eines von den vielen notwendigen Übeln,deren Überwiegen in dieser schlechten Welt Sie mit Rechtanerkennen. „Rous sommsL zzas ioi xour nons Äinnssr",pflegte unser Freund Ulbach in Paris zn sagen, wenn er