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ein Kartenspiel vorschlug. Sie wundern sich, daß man andiesem vom Übel beherrschten Leben so zähe hängt. Ichhabe immer bemerkt, daß die Mädchen, welche die wenigstenTänzer sinden, am längsten aus den Bällen ausharren.
Doch, was ich sagen wollte! Wir Politiker sind so schlechtnicht. Jedenfalls, so behaupte ich, sind von allen Erden-söhnen, welche sich mit der Vielköpfigkeit ihresgleichen be-fassen, wir weitaus die demütigsten. Wir werden zurUnempfindlichkeit für die Kritik, für Ungerechtigkeit, fürBosheit und Dummheit (viel schlimmer ist sie als die Bos-heit) großgeprügelt. Ein Dramatiker setzt sich für seine„Premiere" ein Auditorium aus vorbegeisterten guten Freundenzusammen, und wenn er deren nicht genug hat, um dasgroße Theater der Hauptstadt damit zu füllen, so verlegter seinen ersten „durchschlagenden" Erfolg nach einer kleinenResidenzbühne, wo ein kunstliebender Herrscher (Gott erhalteihn: ich meine knnstliebend) Gastfreundschaft und Ritterkreuzgewährt. Die Musiker haben den Vorteil, daß die Hörer,welche nichts verstehen, es für ehrenvoller halten, Enthusias-mus zu empfinden als unempfänglich zu seiu, und die Malerund Bildhauer, wenn sie nicht mit Gold aufgewogen werden,trösten sich damit, daß die Laien samt und sonders Eselseien. Jeder Poet endlich, sei er gereimt oder ungereimt,hat die Erlaubnis, sich für den ersten seiner Zeit zu halten,und viele machen davon Gebrauch. Wir aber, xovsri noi!wir thun nie den Mund auf, ohne daß von Rechtswegenzur Hälfte geschworene Feinde dabeisitzen, die auf Eid undGewissen verpflichtet sind, alles was wir thun und sagenabscheulich zu finden, selbst wenn sie es verstehen — wasnicht immer der Fall ist. Aber das Publikum, zu welchemauch Sie sich rechnen zu sollen meinen — ich widersprechenicht ganz! — ahnt nicht, wie geduldig wir das allestragen als ein selbstverständliches Stück unseres Feldgepücks.