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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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kämpft werden, und die der Patrizier ist viel verderblicherals die der Plebejer. Diese Pointe ist Ihnen entgangen.Als ich schrieb, hatte ich das Deutsche Reich von heute vorAugen, welches nicht nach den vergilbten Blättern von vorzehn Jahren beurteilt werden darf. Sie hingegen dachtenan Frankreich und seines Gambetta Gefolge von (üvuunisvo^ÄAsru-s welche übrigens vorerst doch nicht die Herrengeworden sind. Setzen Sie an die Stelle des Oommisvo^aAkur den Bruder Bauer und Bruder Handwerker st)6s nodis ladula, naii-Ätrur. Daß dies nicht trostreicher ist,könnte ich Ihnen nur begreiflich machen, wenn ich hier ernst-lich sprechen dürfte. Die Reden, über welche Sie demSchuhmacher " nur wider Willen ein Urteil gestatten, sindganz eigens darauf gemünzt, ihm die Überzeugung beizu-bringen, er allein sei der wahre Gesetzgeber, natürlich unterväterlicher Leitung. Und die Beamten, die Sie im Kopfhaben, sind längst kalt gestellt. Doch pst! Der Menschist Heuer nie sicher, ob er nicht jemanden beleidigt, und wenner nicht Zustimmungsadressen telegraphiert, schweigt er amklügsten still. Wo man nicht tadeln darf, darf mau auchnicht loben. Letztere Entbehrung wird immer weniger fühlbar.

Ich bin ganz damit einverstanden, daß für die großenStaaten nicht die UrVersammlungen a 1a. Rousseau Passen,wie Sie sagen, aber wenn mau schon einmal so etwas hat und das UrWahlrecht ist ja doch eiu Stück davon sosoll man dessen Nivean nicht möglichst herabzudrücken suchen.Läuft übrigens unsere Diskussion nicht in ihrem tiefstenGrunde auf das Problem hinaus, welches gerade für Rousseau der Anstoß war zu seinem ersten entscheidenden Schritt indie Welt? Es sind etwas wie hundertvierzig Jahre her,daß die Preisfrage der Akademie von Dijon ihn in dasNaturrecht und die Politik hineinrief.Ob der Fortschrittder Wissenschaften nnd Künste dazu beigetragen hat, die