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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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für jedermann, werden sich doch, von so eminenter Autor-schaft getragen und von so denkwürdigem Inhalt erfüllt,immer und immer wieder der Wißbegierde aufdrängen, undwas auf diese Weise auch nur minder großen Kreisen derZeitgenossen bewnßt wird, erweitert sich in seinen wichtigstenErgebnissen allmählich zum Gemeingut.

Die vertraulichen Instruktionen Friedrichs des Großenan seine Geschäftsträger, welche jetzt aus den Archiven ver-öffentlicht werden, sind auch gerade nicht als moralischeErbauungsbücher zu verwenden. Aber hundert und vierzigJahre sind eine lange Zeit, und lassen immerhin Raumfür die tröstliche Vermutung, daß die Politik heute aufgeraderen Wegen wandle als damals. Auch begreift maneben deswegen den Sinn des lange gepflogenen Herkommens,wonach die Einsicht in die geheimen Urkunden neuester Politikder Geschichtsforschung vorenthalten wird. Wie aber, wennder Schleier gelüftet wird, welcher den Zeitgenossen daKMiterlebte in seinen geheimsten Ansätzen und Vorbereitungenwohlthätig verborgen hielt?

Eine Mailänder ZeitungPerseveranza" brachte EndeAugust dieses Jahres ein Aktenstück zum Abdruck, welches,wie wohl kaum ein anderes der betreffenden Gattung, dazugeeignet scheint, die bedenkliche Seite dieser modernen Indis-kretionen ins Licht zu setzen. Es handelt sich um einenBrief Cavours an Victor Emanuel, der eineu merkwürdigenBeitrag zur Vorgeschichte des österreichisch-italienischenKrieges liefert. Das Schreiben, welches aus Baden-Baden unterm 24. Juli 1858 datiert ist, erzählt den Hergangmehrerer Besprechungen zwischen dem italienischen Staats-mann und dem Kaiser der Franzosen. Die Besprechungenselbst hatten nicht in Baden stattgefunden, sondern in Plom -bisres, aber an Ort und Stelle war ersterem nur Zeit zueiner flüchtigen chiffrierten Depesche an seinen König ge-