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blieben. Von Baden aus holte er das Verschobene nach,nicht ohne sich gütlich zu thun in der Breite einer behag-lichen Expektoration, der man es deutlich anmerkt, daß sieebensowohl auf den Beifall des Adressaten, wie auf dieSicherheit des Geheimnisses rechnet. Die sorgfältig an-gelegte Wiedergabe der Unterhaltung zwischen Cavour undNapoleon III. strotzt von scharf gewürzten Äußerungen,namentlich wo sie aus das Heiratsprojekt zwischen demPrinzen Jerome Napoleon und der Tochter des Königs,Prinzessin Clothilde , eingeht. Doch dieser Teil, so amüsanter ist, soll hier nicht in unsere Betrachtungen hereingezogenwerden; ebensowenig der schon näher liegende, welcher dieAbtretung von Savoyen und Nizza als den Kaufpreis derUnterstützung im Krieg gegen Osterreich ins Auge faßt.Das Höchste an Unverfrorenheit liefert das Gespräch da,wo es sich darum dreht, eiuen Vorwand zur Offensivegegen Osterreich ausfindig zu machen, und bei diesem Teilwollen wir einen Augenblick verweilen. Napoleon erklärtdem Italiener von vornherein, er sei entschlossen, ihm ineinem solchen Kriege beizustehen, aber es dürfe kein Grundrevolutionärer Natur dem Krieg zum Anlaß dienen, fonderneiner, der sich vor der europäischen Diplomatie und nament-lich vor der öffentlichen Meinuug Frankreichs und Europas sehen lassen könne. Und nun erzählt Cavour, wie er demKaiser eiue Garnitur von Vorwänden nach der anderenpräsentiert habe, die sich aber sämtlich bei genauerer Be-sichtigung mehr oder minder als unbrauchbar erwiesen; esgalt also neue Vorwände aufzutreiben. Hier müssen wirihn selbst reden lassen; denn nur die buchstäbliche Wieder-gabe kanu von dem Aktenstück ein richtige Idee geben.
„Meine Lage ward sehr unbequem, denn ich hattenichts Greifbares mehr vorzuschlagen. Jetzt kam mirder Kaiser zu Hilfe, und wir machten uns gemeinsam
Ludwig Bamberger'S Ges. Schriften, I.