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daran, alle die einzelnen Staaten Italiens durchzugehen,um jenen so schwer zu findenden Anlaß zum Kriegeaufzutreiben. Nachdem wir beinahe die ganze Halb-insel erfolglos durchstöbert hatten, langten wir, so zusagen, ohne etwas dabei zu denken, in Massa undCarrara an, und da entdeckten wir auf einmal, waswir so eifrig suchten. Als ich nun dem Kaiser einegenaue Schilderung dieses unglücklichen Landes ge-macht hatte, kamen wir überein, daß man eine Petitionder Einwohner an Ew. Majestät ins Werk setzen müsse,worin um Dero Schutz und sogar um die Einverleibungin das Königreich Sardinien nachgesucht würde. Ew.Majestät würde zwar auf diesen Vorschlag nicht ein-gehen, aber sich doch der unterdrückten Bevölkerungannehmen und dem Herzog vou Modena eine hoch-fahrend und drohend abgefaßte Note zuschicken. DerHerzog, auf Österreichs Unterstützung rechnend, würdein einem inpertinenten Ton antworten. Daraufhinwürde Ew. Majestät Massa besetzen lassen, und derKrieg wäre besorgt."
Wir können uns das Übrige schenken. Faktisch kamachtzehn Monate später das solchermaßen ersonnene Mittelnicht zur Anwendung, aber das ist für uns gleichgültig.Was uns interessiert, ist, daß man Zettelungen von so überdie Maßen verfänglicher Art vor den Augen der Zeit-genossen zur Schau stellt.
Cavour steht als einer der besten und uneigennützigstenPatrioten da. Von allen Staatsmännern der neueren Zeithat wohl keiner, indem er so Großes leistete, so ganz dieSympathien seines Volkes, ja der Welt besessen und ver-dient wie er. Er hat seine Kraft nicht nur der Einigungseines Landes, sondern auch der Befestigung freisinnigerund gerechter Institutionen gewidmet, deren Geist ihn Zeit