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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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die man als Julie viel mehr genießt, wenn man statt ihrerirgend eine hübsche Zuschauerin fixiert? Die alt gewordenePersiani oder die dick gewordene Alboni machten ihren Be-wunderern noch immer Freude, weil diese uicht gezwungenwaren, sie anzusehen, wenn Don Giovanni sie zur Laubeeinlud, wo ihr schönstes Stündchen schlüge. Es ist anchauf den Bühnen anderer Länder vollauf hell genug, umdie Herrlichkeiten des Madrider Ballets und das Minenspielder Öomsclis FiÄnyÄiss bis auf die letzten Feinheiten zugenießen, und die Dunkelmacherei in unseren Theatern istin Wahrheit Heller Unsinn.

Will Graf Hochberg seinem Versuch nicht von vorn-herein das Lebenslicht ausblasen, so muß er diese schul-meisterliche Pedanterie abschaffen. Daß ihm dann gelingenwird, dieGesellschaftsabende", ich darf nicht sagen einzu-bürgern, denn sie sollen ja das Gegenteil von bürgerlichsein möchte ich darum noch nicht garantieren. EineOpernvorstellung, die mit allem Luxus einer reich ge-schmückten Damenwelt ausgestattet ist, hat unleugbar einengroßen Reiz und leistet, wenn die Hauptaufgabe darübernicht hintangesetzt wird, erst damit das Vollmasz dessen,was sie leisten kann. Vielleicht aber liegt dann die Gefahrnach der anderen Seite, daß die Frivolität die Oberhandgewinnt. In Italien ist die Oper so sehr eine Geselligkeits-anstalt, daß man das Schwatzen als die Hauptsache be-trachtet und durch die Sänger darin gestört wird. InParis ist die Oper unter dem Glanz der Ausstattung aufder Bühne wie im Zuschauerraum musikalisch gewaltigzurückgegangen. Die Damen machen ihre Toilette auch nichtfür die Vorstellung allein, sondern für die Gesellschaft, inwelche sie nachher gehen. Wie steht es aber in Berlin mitder Gesellschaft? Eine kitzliche Frage! Ob überhaupt eineGesellschaft aufkommen kann, wo die militärische Uniform