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dem Ganzen ihr Gepräge aufdrückt? wo Sporen und Säbelmit ihrem allbeherrschenden Klirren sich vordrängen? woman beispielsweise heute den Damen empfiehlt, in aus-geschnittenen Ballkleidern im Parket zu erscheinen, währendderselbe Platz zn gemein erklärt wird, um auch nur einenLieutenant oder Kadetten zu beherbergen? Wenn die Operelegantes Publikum im ersten Rang haben wollte, so müßtesie zunächst doch Platz machen für dasselbe, Platz für dieDamen, denen jetzt der Zutritt auf ein Minimum beschränktwird dadurch, daß es für einen Mann in Uniform nichtstandesgemäß erscheint, sich ebener Erde zu zeigen. Umeinen großen Theatersaal zu sülleu, braucht man die großeZahl, und wenn man den Anspruch an sie erhebt, daß siesich „schön mache", so muß man ihr die Gleichheit dafüreinräumen. Aber wie weit sind wir noch entfernt von derpraktisch durchgeführten Erkenntnis, daß zu einer wahrenguten Gesellschaft die Gleichberechtigung aller Menschen vonBildung und Geschmack gehört. Dünkel von oben undUnterthänigkeit von unten halten alle Elemente, aus denenein höherer Verkehr sich ernährt, noch viel zu sehr in Banden,und wir bekommen vielleicht noch eher Gesellschaftsabendein der Oper, als eine Gesellschaft überhaupt. Schaffte manuns inzwischen etwas mehr Licht auch während der Vor-stellung, so wären wir wenigstens ein Stück vom Schul-meister los, der eine unserer größten Plagen geworden ist,seitdem er es zum Reservelieutenant gebracht hat.