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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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wenn er es geworden ist dank der Eigenschaft, die unsselbst fehlt.

Auch hat man nie gehört bis jetzt, daß die weltlichenoder geistlichen Anführer des Ostens ihre Anhänger zu derMeinung bekehren wollen, ihre Partei oder ihre Partei-grundsätze Hütten sich überlebt und seien, in der Nähe be-sehen, dummes Zeug. Im Gegenteil, den Moment, wo dieKoryphäen des alten Liberalismus denselben für einenüberwundenen Standpunkt" erklären, wählen die Koryphäender verbündeten Junker und Klerikalen beider Konfessionen,um dem Reich die Rückkehr zu der seit einem Jahrhundertüberwundenen Zunftordnung des Handwerks aufzudrängen.Wenn man doch da einmal vonaltem Trödel" reden undan die berühmte Formel: was wohl das Ausland dazu sagenmöge? appellieren wollte! Das eben ist ja das Charak-teristische an der nihilistischen Kartellpolitik, die gar keinenInhalt hat, daß sie die Herrschaft des östlichen Feudalismusnicht wieder, sondern zum ersten Mal in Preußen , seitdem es besteht, ans Ruder gebracht hat. Preußen ist nievon den Junkern, sondern von seinen Monarchen und derBüreaukratie regiert worden. Die letztere aber hat nebenmanchen Fehlern auch große Vorzüge gehabt. Sie war imGrunde nie der Altertümelei ergeben und nie frivol, siehat in ihren guten Zeiten dem modernen Geist, wenn auchin ihrer Weise, gehuldigt. Ihre guten Zeiten sind freilichvorüber, und wie ihr der Geist selbständigen Wissens undstrenger Sachlichkeit ausgetrieben worden, ist bekannt.

Seitdem an Stelle der sauren Arbeit in den Reihender Gesetzgeber wie der Büreaukratie die himmelhohen Zu-kunftsprojekte getreten sind, ist ganz naturgemäß an Stelleder ruhigen Abwägung der Dinge auch der Posaunentondes Prophetentums getreten; und schließlich sind wir an-dem Punkt angekommen, wo Festeslärm und Festesblendung