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daß sie daher nur mit Schmerzen sehen, wenn dieselbenHnnger leiden. Unter der Leitung unseres genialen Staats-mannes war mit dem Einmaleins auch der Grundsatz ab-geschafft worden, daß teures Brot und Fleisch ein Unglückfür die armen Leute sei. Sogar das Gegenteil schien einAxiom der neuen Volkswirtschaft werden zu sollen. Jeteurer desto besser! Aber auch darin hat sich die Zeit nochnicht als reif erwiesen. Es läßt sich nicht leugnen, daß,seitdem Fleisch und Brot viel teurer geworden sind, auchmehr Geld dazu gehört, um sie zu kaufen, und daß die-jenigen, welche nicht Geld genug besitzen, um mehr alsfrüher dafür auszugeben, jetzt weniger zn esfen haben.
„Meine Herren! In diesem Augenblick wartet dieganze Welt mit höchster Spannung auf die letzte Ent-schleierung des wunderbaren Geheimnisses, das ein deutscherGelehrter entdeckt hat, um die Menschheit von einem ihrerverheerendsten Feinde zu befreien, von dem Bazillus derLungentuberkel. Sie, meine Herren, können sich um IhreMitbürger ein gleiches Verdienst erwerben. Der Hunger-bazillus ist nicht minder schädlich als der Lungenbazillus,vielfach ist er dessen engster Verbündeter. Diesen Hunger-bazillus aber werden Sie, weun auch nicht mit allseitigem,doch mit großem und sofortigem Erfolg bekämpfen, wennSie zu der früheren Annahme zurückkehren wollen, daßder Mensch essen muß um zu leben, und daß ihm dasEssen gemeiniglich um so schwerer wird, je mehr er dafürbezahlen muß."
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Leider mache ich mir keine Illusionen darüber, daß derMinister, der diese Rede hielte, noch nicht gefunden ist; dieZeiten scheinen noch nicht reif dafür. Gewiß, unsere gegen-wärtigen Minister haben nicht weniger Mitgefühl für den