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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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that gesetzt werden müßten, damit sie sich nicht wiederholte.Das Kind wurde, was ich zur Beruhigung aller Mit-fühlenden hinzusetzen will, nach einigen Tagen, wie sich dieösterreichische Polizeisprache ausdrückt, wiederzu Standegebracht", und die Urheberin der That wurde mit einigenMonaten Gefängnis bestraft. Seitdem sind etliche dreißigJahre vergangen, und meines Wissens ist ein ähnlichesVergehen in jener Stadt nicht wieder vorgekommen.

Aber nicht bloß erregbare Frauen können in solcheExtreme verfallen, sondern auch erfahrene Männer, die sichder Gesetzgebung widmen. Wir stehen noch mitten in einemErlebnisse dieser Art. Als vor mehreren Wochen heraus-kam, daß einige Bankiers die bei ihnen hinterlegten Wert-papiere ihrer Kunden treulos zu Gelde gemacht hatten, ver-setzten die Entdeckungen das Publikum in um so größereBestürzung, als man lange nicht von einer Mehrzahl solcherFälle gehört hatte, wie denn auch die jüngst thatsächlichvorgekommenen, verglichen zu der Zahl der in den Tausendenvon diesen Geschäften bestehenden analogen Verhältnisse,noch für höchst vereinzelte Erscheinungen gelten müssen.Berlin , der große deutsche Geldmarkt, hat seit den Ver-heerungen der Gründerperiode vor beinah zwanzig Jahrennicht einen einzigen sensationellen Bankbruch erlebt, wieLondon oder Paris . Gleichwohl brauste jüngst alles auf,als wäre nun zur Kenntnis gekommen, daß solche Ver-untreuungen zu den normalen Ergebnissen des heutigenBank- und Börsenverkehrs gehörten, denen schleunigst einRiegel vorgeschoben werden müsfe, nk c^uiä 6st,i'imsnt,ires xudlios. eaxiat,.

Auf welche Weise das zu bewerkstelligen sei, auchdarüber natürlich kein Zaudern. Die angedrohte Strafemuß schärfer werden. Ist sie nur scharf genug, so wird derBankier sich schon künftig eines redlichen Wandels befleißigen.