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rationen hinaus im deutschen Reichskörper zurückgelassenhaben: es war — wie die Dinge einmal lagen — dvchein unermeßlicher Gewinn, daß Bismarck selbst noch diePforten des Kulturkampfes wieder geschlossen und Jahreder wachsenden Beruhigung unter seinem Regiment er-lebt hatte.
Diesen so teuer erkauften kostbaren Gewinn hat leiderdie jetzige Regierung wieder verschleudert. Verschleudertsage ich, weil sie über dem Verdacht steht, den gewaltigenMißgriff des Volksschulgesetzentwurfs mit Vorbedacht undin voller Schätzung seines Effekts begangen zu haben. Manmuß hier eher an einen Irrtum als an eine Absicht glauben.So wenigstens erscheint es nach der ganzen Haltung, dieder neue Kanzler in den zwei Jahren seines Waltens beob-achtet hat; so auch erscheint es nach den Reden, mit denener sich in den Debatten über die Sache beteiligte. Eswerden in der Welt oft große Fehler begangen, weil ihreUrheber sich in einem Zustand friedlicher Befangenheit be-finden, die sie verleitet, unbefangen ins Unheil hineinzugehen.Es könnte ja vermessen erscheinen, dergleichen einem Mannvon der Stellung und Bedeutung des neuen Kanzlers zu-zutrauen, aber daß es möglich ist, sich auch mit Augen, diedurch Erfahrung auf diesem Gebiet viel mehr geschärft seinmußten als die seinen, zu täuschen, dafür haben wir einenunwiderleglichen Beweis in der Mitversündigung des Finanz-ministers. Wenn nicht alle Zeichen trügen, hat Miquelden Effekt dieses Gesetzentwurfs lange nicht stark genugvorausgefühlt. Über das, was im Stadium der Vorberatungim Schoße des Kabinets sich begeben hat, schwebt noch einDunkel. Aber soviel scheint ausgemacht: die höchste Energiedes Widerstandes ist vom Finanzminister im entscheidendenAugenblick nicht eingesetzt worden, um das Unglück zu ver-hüten, eben weil er dessen Größe nicht ermaß. Und das