Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
368
Einzelbild herunterladen
 

368

ist doppelt merkwürdig bei einem Mann, der alles Elenddes Kulturkampfes von der ersten bis zur letzten Stundemit durchlebt und dessen Schäden stets lebhaft empfundenhatte. Es ist bezeichnend für die Verschiedenheit der Naturen,daß Herr von Bennigsen sich hierin ein viel richtigeres Ge-fühl bewahrt hat, denn aller Wahrscheinlichkeit nach ist erzu seinem resoluten Auftreten im Reichstag ohne vorherigesEinverständnis mit seinem alten Zeltgenossen gekommen.Dem Geist wie der Ausführung nach scheint das Verdienstdieses Auftretens Herrn von Bennigsen allein angerechnetwerden zu müssen. Merkwürdiger Weise sind von denen,die bis jetzt zum Widerstand aufgerufen haben, die wenigstenüber die schwerste Folge des Mißgriffs, daß nämlich derKulturkampf wieder eröffnet wird, zur Erkenntnis gekommen,ja ihr Unwille schreibt sich zum Teil davon her, daß inihnen selbst wieder der Dämon des Kulturkampfes erwecktworden ist. Unbewußt geben sie Zeugnis davon, wie schlimmes ist, daß man ihren Unwillen herausgefordert hat. Dennso groß das Übel au sich schon ist, welches die Verkirch-lichnng der Volksschule anrichten würde, noch größer istdas Übel der neu eröffneten Fehde, und jedenfalls nochschneller und unmittelbar heftiger tritt diese böse Wirkungein man kann sagen: sie ist bereits eingetreten. Wiedas Schulgesetz schließlich ausfällt, ob es zu Stande kommt,wie es arbeiten, wie es sich in der Praxis stark oder schwacherweisen mag, das alles sind Dinge, die späterer Zeit vor-behalten sind, und die, soviel Sorgen sie auch mit Rechtmachen, vielleicht nicht ganz so unheilvoll werden, als manjetzt denkt. Aber sofort und jetzt und wie es auch gehe,ist der konfessionelle Hader wieder entfesselt, der seit vierJahrhunderten Deutschlands größtes politisches Unglück war.

Täusche man sich doch nicht darüber! So groß dieZahl derer sein mag, welche aus innerster Überzeugung für