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dem Kampf gegen die Kirchen verbunden ward, so verbandensich natürlich auch die Ideen des Royalismus und derRechtgläubigkeit in der gemeinsamen entgegensetzten An-schauung. Ihr vollendetes Prototyp erstand in dem GrafenJoseph de Maistre , dem Sohne des Savoyerlandes, welchesdie natürliche Brücke vom päpstlichen Italien zum bour-bouischen Frankreich bildet.
Der Begriff der Legitimität, welcher in seiner staats-rechtlichen Bedeutung auch erst der neueren Zeit entstammtund in der heiligen Allianz seinen vollendetsten Ausdruckgefunden hat, erhob die Identität von Monarchie und Re-ligion zum Prinzip. Aber bis zur Februar-Revolution desJahres Achtundvierzig blieb die ganze Jdeenverbindunglediglich im Zustande einer allgemeinen Weltauffassung, welchedarauf hinausging, daß Kirche und Thron das gemeinsameInteresse und die Mittel hätten, einander zu halten. InDeutschland haben sich die freidenkerischen und die politischliberalen Bestrebungen bis in die vierziger Jahre diesesJahrhunderts durchaus nicht gedeckt. Unsere berühmtenPhilosophen waren sämtlich gute Unterthanen, und der welt-lichste und letzte von ihnen, Arthur Schopenhauer , war einüberzeugter Reaktionär. Andererseits hatten die Liberalender Demagogenzeit nach den Befreiungskriegen ebensowenigwie die der dreißiger Jahre einen Zug zur Freigeisterei.Die Verbindung von philosophischem und politischem Ra-dikalismus beginnt erst mit den Ausläufern der jung-hegelischen Schule, den Arnold Rüge, Ludwig Feuerbach und Gebrüder Bauer. Aber noch David Friedrich Strauß war ein guter Konservativer, und der große Revolutionärund Republikaner Mazzini erfand noch das Feldgeschrei:„vio s ?0xo1c>." Der Kommunist Blanqui freilich ver-kündete den Spruch: „M Disu ru. m^itrs."
In dem Verlangen nach einer sozialistischen Um-