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feuers, welches immer mehr an die Stelle der ewigen Ver-dammnis treten mußte, je mehr die Praxis von der Lehreder Erlösung durch die den Ablaß vermittelnde Autoritätsich ausbreitete.
Merkwürdigerweise spielt bei dem größten Repräsentantendes Mittelalters, der Himmel und Hölle zur höchsten dichteri-schen Gestaltung erhoben hat, das Feuer keine große Rolle,nicht einmal im zweiten Teil seiner göttlichen Komödie, dieeigens das Fegefeuer, allerdings nur Purgatorio genannt,zum Gegenstand hat. Erst gegen Ende, im fünfund-zwanzigsten Gesang, bei den Bußen der Wollüstigen, treffenwir auf die schmerzenden Flammen, die letzte Pein, ultimatortui-g., wo die Bergeswand Flammen ausschleudert undden Dichter die Furcht vor dem Feuer zurückhält. Auchverlegt Dante das ganze Purgatorium nicht uuter die Ober-fläche der Erde, sondern auf einen Berg, der aus einerInsel aufsteigt. In den neun Kreisen der Hölle wird mehrvon anderen Qualen als denen des Feuers Gebrauch ge-macht, und man kann nicht sagen, daß Dante Hölle oderFegefeuer zum Schutz der Monarchie verwendet. Im Ge-genteil, Herrscher, Tyrannen, sowohl weltliche als geistliche,stellen ein großes Kontingent zum Heere der Bestraften,während die Rebellen kaum unter den Büßenden vorkommen.Im achtundzwanzigsten Gesang der Hölle stoßen wir ausBertrand de Born , den Sänger, der seinen Kopf in derHand trägt wie eine Laterne, weil er den Prinzen Heinrichgegen seinen Vater, den König von England aufgewiegelt,wie Ahitophel den Absalon gegen Vater David. Aber esist nicht die politische Rebellion, die hier ihre grausameStrafe findet, sondern.
„Weil Menschen ich getrennt, die sonst sich lieben.
So trag ich mein Gehirn getrennt nllhier
Von seinem Quell, der in dem Rumpf geblieben'"