Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
383
Einzelbild herunterladen
 

333

Ganz zum Schluß, im letzten Gesang der Hölle, treffen wirnoch Brutus und Cassius, welche das dreiköpfige Ungeheuerrechts und links von Judas Jschariot zwischen den Zähnenhält. Es ist nicht die Empörung, sondern der Verrat, derhier bestraft wird, und, wie um keinen Zweifel darüberaufkommen zu lassen, begegnen wir sofort im darauf folgen-den ersten Gesang des Fegefeuers dem mit besonderer Liebebehandelten Cato von Utica , dem die Freiheit so teuerwar. daß er dafür das Leben ließ.

sai eks non ti iu xsr Isi kmürs,In Iltills, morts.

In der ganzen Höllenordnuug mit der Strafeinteilung derneun Kreise findet sich unter der Aufzählung aller Sünde»keine der politischen Auflehnung. Der Teufelspoet dessiebenzehnten Jahrhunderts besingt in seinem verlorenenParadies allerdings die Empörung der gefallenen Engelgegen Gott, aber wie er über die analogen irdischen Ver-hältnisse dachte, ist schon oben besprochen worden. DieTopographie der Miltonschen Hölle ist schwankend und un-klar, während die Dantesche uns genau als im Centrumder Erde befindlich beschrieben ist, von einer Axe aus er-reicht, deren Spitze von Jerusalem herabgeht.

Was die Dichter gesungen und was die Volkssage aus-gesponnen hat, gehört selbstverständlich nicht zu den Glaubens-lehren. Aber die allgemein menschliche Auffassung von derBeschaffenheit der Strafen im Jenseits malt sich darin un-leugbar. Eine sinnlich ergreifende Vorstellung von einembestimmten Aufenthalt der Qual für Gestorbene wird immer,wie es in der That in allen Mythen der Fall ist, auf einenunterirdischen Raum und als vornehmstes Strafmittel aufdas Feuer hinauslaufen. Bei der Ahnung übersinnlicherFreuden läßt sich die Phantasie zur Not auf Unbestimmtesein. Überraschung und Ungeahntes kann hier seine Macht