— 386 -
„Soll man dich nicht aufs Schmählichste berauben,Verbirg dein Gold, dein Weggehn, deinen Glauben"
so denkt er nicht an die anderen, sondern an sich in seinerstillen Höhe. Eine Ehe, in welcher der Mann ungläubigist und seine Frau behaglich der Bigotterie überläßt, dieRegel in Frankreich, ist in Deutschland gewiß eine Selten-heit. Wo die Religion Fuß gefaßt hat, wirkt sie hier vielstärker als dort. Der politische Einfluß der katholischenGeistlichkeit, auch in den ländlichen Wahlkreisen, ist dortunendlich viel geringer als bei uns.
Die rasche, breite und tiefgehende Erregung, welche inallen Schichten der Bevölkerung durch den Schulgesetzent-wurf hervorgerufen worden ist, giebt von neuem Zeugnisvon dem gewaltigen Ernst, mit welchem die Deutschen diesereligiösen Fragen erfassen. Zahlenmehrheiten in Kommissionenund Parlamenten können — dank den Septennatswahlen —dies Schulgesetz dem Lande auflegen; aber denen, die esersonnen haben, und denen, die es begrüßen, möchte esschlecht bekommen. Der Monarchie, die sie stützen wollen,kann man nur raten zu dem Gott zu beten, der vor übel-beratenen Freunden behütet.