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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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Unsere Neuesten/)

jüngst schrieb ich einem befreundeten Franzosen, dersich viel mit Studien über Deutschland beschäftigt, zahlreicheArbeiten über unsere Litteratur nnd Politik, namentlichauch die soziale uud philosophische veröffentlicht hat,**) undbemerkte ihm am Schluß des Briefes, daß zur ZeitFriedrich Nietzsche mit besonderer Vorliebe bei uns ge-lesen werde. Merkwürdiger Weise kreuzte sich dies Schreibenmit einem des Adressaten, in welchem es am Schlüsse hieß:Unsere Jugend treibt jetzt sehr viel Nietzsche."

Das ist doch höchst bezeichnend. Es sind dieNeuesten",die auf diesem Kriegspfad gegen das Alte wandern; undwenn irgend etwas ihre Brust schwellt, so ist es gewiß dasBewußtsein der Originalität, des Emporragens über allesDagewesene. Und nun zeigt sich, daß diese Menschheitletzter Ausgabe doch auch einer allgemeinen, um nicht zu

*) Aus derNation" vom 23. Juli 1892.

Ich benutze diesen Anlaß, um insbesondere auf das letzte Buchdieses Schriftstellers aufmerksam zu machen,I^s Lovialisuis allswkuä st1s ÜNiMsms ru8ss xar ^. Louräsau (?aris, ^.Ivkw), in welchem

die Geschichte, die Theorien und die Kritik der Ideen und Persönlichkeitenmit außerordentlicher Sachkenntnis und Unbefangenheit behandelt sind.Der Autor hat sich zu verschiedenen Epochen längere Zeit in Deutschland ausgehalten, Menschen und Zustände aus naher Berührung, vertraut mitder Geschichte und Litteratur, kennen gelernt.

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