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sagen gemeinen Zeitströmung unterthänig ist; daß sie ge-horcht, während sie zu befehlen wähnt. Eine Mahnungsicherlich zur Bescheidenheit, wenn in zwei so verschiedenen,so vielfach einander befehdenden Regionen der europäischenGesellschaft in so absonderlichen Dingen Gleichheit herrscht.Das Phänomen dieses Zusammenstimmens ist allerdingsnicht vereinzelt, und es läßt sich ferner nicht verkennen, daßdabei der Zug mehr von Deutschland nach Frankreich hin-übergeht als umgekehrt; nicht unbedingt und einseitig jedoch.Denn wir haben von den Franzosen den Naturalimus,Realismus, Impressionismus, Pleinairismus und auch et-lichen Cynismus in Kunst und schöner Litteratur herüber-genommen. Daß wir darin mehr Nachahmungstrieb alsGeschick bewähren, gereicht uns eher zu Nutz und Frommen,wenn auch nicht gerade zur Ehre: denn an gutem Willenzum Bösen fehlt es eigentlich nicht.
Dagegen haben beispielsweise jene von uns bezogen:Schopenhauer, Richard Wagner , Treitschke-Ahlwardt, Nietzsche— ich nenne sie in der chronologischen Ordnung ihresUmzugs, ohne sie ihrer Würdigkeit nach untereinanderklassifizieren zu wollen. Handelspolitisch gesprochen habenwir die aktive Bilanz auf unserer Seite. Unsere Ausfuhrübersteigt au Wucht und Erfolg bedeutend unsere Einfuhr.Es wäre neben der eigenen Ausfuhr auch noch der Export-Zwischenhandel zu nennen, auf dessen Wegen wir es sind,welche z. B. den Franzosen Ibsen zugeführt haben. Denganzen Staatssozialismns nicht zu vergessen, den wir zwarnicht allein und einseitig erfunden haben, desfen Ursprungsogar eher in Frankreich zu suchen ist, den wir aber durchselbständige Behandlung (mittelst des Verfahrens, welchesdas römische Recht die Spezifikation nennt) so nach unsererbesonderen Art umgemodelt haben, daß er unser geistigesEigentum geworden ist. Unseren Staatssozialismus haben