— 389 —
wir nicht nur zu den Franzosen , sondern durch die weiteWelt bis zu den selbstherrlichen Angelsachsen verbreitet.So scheint die Thatsache festzustehen, daß Deutschland seitdem letzten Kriege als herrschende Macht den Stempel seinesIngeniums der Mitwelt aufgedrückt hat und zwar ammeisten den grollenden Besiegten. Von Rechts wegen mußhier auch der Grundsatz der allgemeinen Schul- und Dienst-pflicht als eine nach deutschem Vorbild von beinah ganzEuropa nachgeahmte Einrichtung erwähnt werden; undmüßte nicht schließlich auch an den Siegeszug des deutschenBieres erinnert werden? Einzelne unter diesen Strömungenhaben sogar zur Zeit jenseits unserer Grenzen ihre Ufermehr ausgebreitet als im Lande des Entspringens. Wagnerbeherrscht den Geschmack der Musiker und jedenfalls der„schönen Welt" in Frankreich noch stärker als bei uns.Schopenhauer, in Deutschland schon älter, tritt hier mehrin den Hintergrund, während er dort eine Art populäreFigur geworden ist, der man in Romanen und Feuilletonsbegegnet, die vor zwei Jahren sogar einmal in einer Posseüber die Bühne eines Tingeltangels ging. Der Staats-sozialismus kommt in einzelnen Formen der Gesetzgebungvielleicht dort ebenso stark oder noch stärker zum Ausdruckals bei uns, denn manches in ihm entspricht mehr demfranzösischen Ingenium als dem deutscheu, aber er wirdschwerlich sich des ganzen Lebensgebietes in demselben Gradebemächtigen wie bei uns, weil die Verteilung des Besitzesihm in den tonangebenden Klaffen Frankreichs viel wenigerSympathie zuführt, als er diesseits aus der Mitte desAdels und der Studierten empfängt. Noch schwächer dürftedort die Zukunft des Antisemitismus sein. Der heitereSinn für Leben und Lebenlasfen findet auf die Dauer keinenGeschmack an der „ethischen" Aufgabe, seinem Nebenmenschendas Leben zu vergiften. Um so mehr dürfen wir uns