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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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freuen, daß die eminent deutsche Begabung für Musik undspekulative Philosophie sich auf dem Gebiet des wider-strebenden Nachbars so wohlwollender Aufnahme erfreut.Sind doch beide ganz besonders dazu da, das Leben zuversüßen!

Ist es nicht ganz schön, wenn die verfeindeten Nationenwenigstens auf zwei solchen Regenbogenbrücken, dergleichender liebe Gott seiner Zeit eine erscheinen ließ, um sich jedeweitere Revanche am Menschengeschlecht zu verschwören,einander die Händen reichen? Gewährt nicht Bayreuth ,wohin das tont?a.i-is sich drängt, von Sommer zu Sommerimmer mehr den Anblick eines musikalischen Anti-Kronstadt?

Auch Schopenhauer und besonders Nietzsche lassen zwaran prismatischem Farbenspiel nichts zu wünschen übrig; aberfreilich Philosophie wird für die Massenbewegung niemalsBrücken bauen, und gerade diese neueste am wenigsten.Denn wenn philosophische Systeme schon an sich zur Do-mäne der Geistesaristokratie gehören, so tragen noch die derbeiden Genannten den Stempel aristokratischer Exklusivitätganz besonders an sich. Ja gerade auf diesen aristokratischenZug ist das Glück, welches unsere zwei neuesten Denker hierund dort gemacht haben, zurückzuführen. Oder, um esanders auszudrücken, ihr Denken selbst wurzelt in der Natureines, trotz allem, beide Nationen beherrschenden Zeitgeistes.Wir haben es mit einem aristokratischen Rückschlag gegenden Demokratismus der Zeit zu thun. Schopenhauer legtein den stillen Anfängen den Grund, seine Saat ging jaauch erst später auf. Nietzsche "'), der jenen seinen Lehrernennt, und man würde das merken, wenn er es auchnicht sagte, fing gleichfalls in der Stille an und explo-dierte erst in den letzten Jahren weit hinaus. Beide er-

Ich beziehe mich hier vorzugsweise aufGenealogie der Moral ".