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und Lamm, Jenseits von Gut und Böse ist lange nicht neu.Nietzsche weiß es und führt es an, wenn auch nur beiläufig.Man denke nur an den Fürst des Macchiavell, an Hobbes ,an Joseph de Maistre , ebenfalls Zeugen demokratischer Be-wegungen in der Menschheit. Es soll auch kein Vorwurfsein, daß die Grundgedanken nicht nagelneu sind, denn dasist bekanntlich nie der Fall, am wenigsten in der Philosophie;und wenn es ganz gewiß ein Verdienst ist, Altes, schonDagewesenes auf neue und anziehende Manier gedacht undgesagt zu haben, so kann es diesem neusten Propheten gewißnicht bestritten werden. Es möchte schwer fallen, originellerzu sein als er, und es war besonders schwer nach Schopen-hauer. Beiden gemeinsam und charakteristisch für sie ist,daß sie ihre aristokratische Philosophie für und ihr Glückdurch die Leute von Welt gemacht haben. Die Ironie aufihre Abkehr vom xrokÄHnrQ vulgns ist, daß sie Vulgari-satoren wurden, demokratisiert wider Willen. Sie dientendem Geist ihrer Zeit, indem sie ihn bekämpften. AufSchopenhauer gilt das nur zum Teil, weil der Grundstockseiner Werke mit dem Ausgang von Kant sich in denstrengeren Formen des Denkens bewegt. Nietzsche dagegenarbeitet im Geist der analysierenden Dialektik HegelscherManier recht eigentlich mit Aperyüs. Aber beiden ist ge-mein, daß sie gemeinverständliches und schönes Deutsch zuschreiben bemüht und befähigt waren. Beide, der eine inseinen populäreren, der andere in seinen sämtlichen Werken,zogen zum erstenmal das weltliche Publikum in die Kreiseihres abstrakten Denkens. Im Gegensatz dazu blieb ihrEinfluß auf die gelehrte Welt bedeutungslos. Weder wieKant noch wie Hegel , nur um die größten zu nennen,machten sie Schule in der Wissenschaft der Philosophie undden mit dieser zusammenhängenden Wissenszweigen. Sobewährten sie, wider Willen, daß sie dem Zeitalter der