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Demokratie folgten, und dieser ihrer modernen Eigenschaftverdanken sie auch ohne Zweifel ihre französische Popu-larität.*) Hegel hatte seiner Zeit in der eklektischen Philo-sophenschule Frankreichs Einfluß auf den Katheder gewonnen,und wie Taine uns bezeugt, wird gegenwärtig in denobersten Klassen der Gymnasien Frankreichs ein „neu-kantisches" System gelehrt, das, wie er ohne Zweifel mitRecht behauptet, keine Fühlung mit dem Leben hat. SelbstAugust Comte, der ins Lebendige eingriff und mit derPolitik zusammenhing, fand in seinem Vaterlande nichtnachhaltigen Anklang in die Breite, nicht einmal so vielwie in England , wo er durch die Vermittelung Mills Ein-fluß gewann. Bekanntlich dauerte es lange, ehe Schopen-hauer bei uns durchdrang. Entscheidend für den Umschlagwar ganz gewiß der Umschlag im öffentlichen Leben. Mitdem Beginn der fünfziger Jahre nach dem Scheitern desdeutschen Regenerationsversuchs kam das Studium derPhilosophie auf den Hochschulen in Verfall. Der Liberalis-mus der gelehrten und besonders der litterarischen Politiker
") Für solche, die sich näher für die Sache interessieren, sei bemerkt:die größeren Werke Nietzsches sind bis jetzt noch nicht ins .Französischeübersetzt. Aber zwei Übersetzungen seiner sämtlichen Werke sind in derArbeit. Nur eine ältere Schrift: „Richard Wagner in Banrcuth", ist vorlängerer Zeit erschienen. Dagegen brachte der Pole Wyzewa in der »Rsvnsbleue" im Jahre 1831 einen Artikel: ?rsäsri<: ZNstxsells, lg äernisrHlstÄxk^sieiöii, und eine Erwiderung auf dieselbe erschien 1892 in derZeitschrift „I^s Lan^ust" I^ibrairie Ron^ustts), die seit kurzem
von einer Anzahl ganz junger Leute herausgegeben wird. Ähnliche Richtungverfolgt die belgische Zeitschrift „I^a sooists raocksiiis", welche Über-setzungen des „Fall Wagner" und „Zarathustra " gab. Welche Überein-stimmung auch hier mit unseren „Neuesten"! Die von ihnen heraus-gegebene Zeitschrift „Die Gesellschaft" beschäftigt sich ebenfalls viel mitNietzsche. In Frankreich ist er schon lo weit vorgedrungen, daß hie undda der „Figaro" gegen die Richtung ausfällt.