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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Welt, aber auf bescheidenere Art. Man sonnte sich in demWiderschein eines großen Gestirns.I^amitis Zranänomvas sst disukg-it äss äisux". In Paris gab esvor Zeiten einen Musiker mit Namen Schindler, der sichhatte Visitenkarten stechen lassen (damals waren sie nochnicht vulgarisiert und wurden gestochen)Letündlsr, g,mi6s Lsstkovsn". Wie rührend klang das! beinah schöneralsPremierlieutenant der Reserve". Bei uns entwickeltesich unter der Gunst der Zeiten und dem Kultus des Geniusdie Solidarität der Genies, die Philosophie des Bewußten.Gerade die Großen waren zwar solchem Treiben immerabhold. Der alte Grillparzer sagte:wer mich ein Genienennt, den schlag ich hinter die Ohren", und Bismarcksagte vor Zeiten in einer Reichstagsrede, er halte das Wortgenial" auf sich angewandt für eine Beleidigung. Aberbesonders seit seiner Verabschiedung ist das alles andersgeworden. Ehemals stieg er höchstens durch seinen Sohnzum Volk herab, den das Herabsteigen weiter keine große An-strengung kostete; und nur eine kleine Schar dienstwilligerVerehrer, Künstler namentlich, auch Schriftsteller und Poli-tiker bildete den Kreis der Vertrauten, denen man, wennsie sprachen, anmerkte, daß sie sich im Innersten dazurechneten:Wir nächste zum Genie". Seitdem aber derRuf ergangen:Jeder komme, wie er ist", lautet der SpruchWir Genies". Jeder wirdErzieher"; eine unabsehbareReihe.

An alledem ist der arme Friedrich Nietzsche nichtschuld. Es liegt nur in der Luft. Aber er gehört doch zuden obersten Geistern, die in dieser Luft schweben unddessen Stimme zu vernehmen sich lohnt und schon darumempfiehlt, weil sie so angenehm klingt. Geist und Wissenin Hülle und Fülle und eine sprudelnde Überproduktivität.Will man sich das Vergnügen ganz rein herstellen, so be-