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doch ein bischen anders liegt, und Philosophen wie Descartes ,Pascal, Spinoza , Kant, in denen der Mensch sich mit demDenker deckt, vorzuziehen sind. Ganz anders noch liegt dieSache bei Nietzsche. Hier fällt die Inkonsequenz in dieDoktrin innerhalb ihrer eigenen Grenzen hinein. Wennfür das Leben — und das ist ja seine Prätension — dasGut und Böse eine Fiktion ist, warum zürnt er denen, dienicht denken wie er? Wo ist Irrtum, wenn diese Unter-scheidung fällt? Ja noch mehr: sehr konsequent gelangtseine Kritik auch an die Verneinung der letzten Instanz:Was ist Wahrheit? Was ist der Wert der Wahrheit? —„das Problem, die Frage ist einmal aufzustellen" (Genealogieder Moral). Die Antwort fehlt im Text. Wir werdenmit einem Hiatus abgefunden. Hier hält er vor dem letztenSprung ein. Denn er hat sich wohl gesagt: wenn Wahr-heit nur eine metaphysische Fiktion ist, ist dann nicht diesemeine Entdeckung auch eine? und warum schreibe ich Bücher?Beiläufig gesagt ein hübscher Gegensatz zu Jbseu, der dieUnwahrheit bis aufs Messer bekriegt. Uud kommt nichtschließlich auch die ganze Herrlichkeit der Wolfssouveränetätdadurch auf den Hund, daß die Schafe sich zusammenthunlernen?
O Kerl, der spekuliert und rings nmher liegt fettegrüne Weide!
Der Versuche, einen Menschheitsplan s. xrlori zuzeichnen, sind schon manche dagewesen. Wir haben es hiernur mit solchen zu thun, die von dem demokratisirendenZug der Zeit eingegeben sind. Auch David Strauß hatam Ende seines Lebens einen mißglückten Versuch gemacht,und der lang verehrte und gefeierte Gelehrte ist darob mitder bei uns nicht seltenen Jmpietät gescholten worden. Ergehört auch zu den Lßtss noirss von Nietzsche , denn obwohler den aristokratischen Zug gemein hat, verfiel er mit seinen