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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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damals Tag für Tag das Denkwürdige des Erlebten nieder-geschrieben hatte. Und weil es an allgemeinen Betrach-tungen nicht fehlen wird, ist vielleicht ein kleiner Beitragnicht unwillkommen, der nur persönliche Reminiszenzenbringt, etliche kleine Züge, bald dieser, bald jener Auf-zeichnung entnommen, etwa zu Staffage verwendbar ineiuem großen Gesamtbild, das sich die Gegenwart von demdamals Geschehenen zu machen wünscht. Ich greife zudiesem Zweck einige Notizen heraus aus dem ersten Abschnitt,da der Krieg begann, und einige aus dem zweiten, da erzu Ende ging uud mit dem Deutschen Reich zum ersehuteuAbschluß führte. _ -

Im Juni 187V, nach Schluß des dritten Zollparla-ments, war ich noch einmal nach Paris gereist, um ver-schiedene alte Angelegenheiten zu ordne».

Am 5. Juli brachte die offiziöse ZeitungI^s (üonsdi-tutionnsl" einen Artikel gegen die Kandidatur des Prinzenvon Hohenzollern in Spanien . Man sprach viel darüber,und die Börse erfuhr einen leichten Rückgang; doch schien dieSache noch nicht ernst. Am folgenden Tage, am 6., fandich in der Abendzeitung den Text von Gramonts Erklärungin der Kammer über dieses Thema mit der Phrase, daß diefranzösische Regierung die Wiederanfrichtung des ThronesKarls V. uicht zugeben könne. Sofort ward mir klar, daßjetzt eine ernste Kriegsgefahr aufgetaucht sei. Ich fuhr raschnach dem Boulevard, um Näheres zu erfahre». Auf demWege kreuzte ich mich mit dem Minister Ollivier, mit demich bekannt war, und der mir einen sonderbaren, mir auf-fallenden Blick zuwarf. Bor ungefähr zwei Jahren hatteich ihn aus Anlaß der Luxemburger Angelegenheit in seinerWohnung aufgesucht, uud es kam zu einer lebhaften Aus-einandersetzung, als er mir demonstrierte, Frankreich könne