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nie zugeben, daß der Norddeutsche Bund die Mainlinieüberschreite. Er war damals noch liberaler Abgeordneter.Zwischen Aufregung und Spannung über den Fortgang derDinge verliefen die Tage bis zum 10. Es war eiu prächtiger,sonniger Sonntag. Im Gehölz von Bonlogne begegnete icheinem Freunde, der sofort seinen Wagen halten ließ, heraus-sprang und mir sagte, daß nach soeben ihm zugekommenenNachrichten an der Absicht, es zum Kriege zu treiben,kein Zweifel mehr sein könne. Ich selbst teilte dieÜberzeugung durchaus. Die Wolke, die seit dem Friedenvon Nikolsburg am Horizont heraufgezogen war, bald stillstehend, bald wieder verhängnisvoll dräuend, sollte nunwirklich zur furchtbaren Entladung kommen. Der Gedanke,für Menschlichkeit und Zivilisation an sich schon grausamgenug, mußte mich, der ein halbes Menscheualter in Frank-reich verbracht, sehr viel Gntes genossen und gelernt, zahl-reiche schöne Freundschaften geschloffen hatte, doppelt unddreifach schmerzlich sein. Um so schmerzlicher, als geradeim letzten Jahrzehnt dentsche Wissenschaft und Bildungmit Vorliebe bei den französischen Gelehrten Eingang ge-funden hatte, eine ganze Schule daraus hervorgegangenwar. Ich sah voraus, welch tiefer unheilbarer Riß auflange Zeit zwischen den beiden Nationen unmittelbar be-vorstand. Hippolyte Taine war eben erst, mit Empfehlungenauch von mir versehen, nach Deutschland gereist. Er kehrtealsbald um und blieb von da an ein bitterer Feind. Aberaller Schmerz konnte nicht verhindern, zu sehen, daß keineRettung mehr war, daß im kaiserlichen Lager der Kriegbeschlossen war. Merkwürdiger Weise schien die deutschePresfe uoch keine Ahnuug davvn zu haben. Die Berliner,die rheinischen Blätter ergingen sich in superklugen Be-trachtungen über die Wichtigkeit, die man fälschlich inParis der spanischen Sache beimesse. Es war zu befürchten,
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