Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

420

daß diese Auffassung einer französischen, dem Anscheinnach wohl vorbereiteten Überrumpelung in die Händearbeiten werde. Ich eilte zu einem deutschen Freunde,einem in Paris angesehenen Arzte, und wir überlegtenzusammen, was zu thun sei, um die deutsche Presse unddie auf sie hörenden Regierungen auf die Größe und rascheAnnäherung der Gefahr hinzuweisen. Nach Deutschland telegraphieren konnte man nicht. Ich beschloß als daskürzeste Mittel, an einen alten Universitätskameraden zuschreiben, der ganz nahe an der französischen Grenze wohnte.Es war dies der Amtsrichter Justizrat Bulling, welcher inOberstein, dem oldenburgischen Enclave an der Nahe, seinenSitz hatte. Ich schrieb ihm, sofort bei Empfang meinesBriefes an den mir befreundeten Vetter des Bundeskanzler-amtspräsidenten Delbrück , Herrn Adalbert Delbrück inBerlin , zu telegraphieren, daß man nicht länger an dem An-griff von französischer Seite zweifeln solle. Der Brief, denich mir später vom Empfänger zurückgeben ließ, ist nochbei meinen Akten. Auf brieflichem Wege machte ich nocheinigen anderen dazu geeigneten Freunden klar, daß alleHoffnung auf friedliche Beilegung Illusion sei. Schonam Tage vorher hatte ich ein interessantes Gespräch miteinem der höchsten Hofbeamten des kaiserlichen Palastes.Ich hielt ihm vor, welch thörichtes Wagnis dieser Kriegsei. Er antwortete mir:Sie haben recht, wir sind ver-rückt, aber das macht gerade unsere Stärke; wenn wir nichtverrückt wären, würden wir abwärts gehen wie die anderenlateinischen Nationen, aber Frankreich ist unzerstörbar."Ich entgegnete ihm:es wird geschlagen werden und Elsaß verlieren," worauf er:nun, dann wird es dasselbe späterwiedernehmen, mit uns werdet ihr nicht fertig" undlachend, lustig läuft er davon. Dem entsprechend sieht dasGetümmel auf dem Boulevard aus; eine muntere Erregt-