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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Fest überzeugt, daß Frankreich so schnell als möglichlos gehen werde, beschließe ich, sofort nach Deutschland zurück-zureisen und setze meiue Abfahrt auf Mittwoch früh, den 13.^fest. Dienstag, den 12., gehe ich noch einmal nm 2 Uhrin die Kammer, die von einem ungeheuren Zudrange vonMenschen umwogt ist; alle Zugänge sind von Equipagenund Fußgängern belagert. Ich lasse mir T. herausrufen.Er erzählt, Ollivier habe focbeu eiuen Brief des Fürstenvon Hohenzolleru mitgeteilt, in welchem derselbe für seinenSohn ablehne; doch sei dies nur im Wandelgange derKammer geschehen, nicht offiziell, aber Ollivier habe sichbefriedigt erklärt und gesagt: e'est 1s. xsix. Ich sehe Thiersmit eher unzufriedener Miene weggehen. Draußen imPublikum verbreitet sich der Glaube, daß der Friede ge-rettet sei, und so klingt es auch von der Börse zurück.Anderen Morgens um halb acht Uhr fahre ich mit derNordeisenbahn nach Belgien . Es war ein Mittwoch, einunvergeßlicher Tag. Der«ÜMstitutionnsl^, den ich mir imBahnhofe kaufe, kliugt ganz friedlich. An der letzten fran-zösischen Grenzstation, in Jeumont , drängt sich die Be-völkerung iu höchster Aufregung an die Wagen und ver-langt Neuigkeiten. Die Passagiere werfen ihnen ihreZeitungen zu und verbreiten die Friedensnachrichten. Diebis dahin freudig aufgeregte» Mieuen verwandeln sich sofortin enttäuschte. Man war offenbar vorbereitet gewesen, inKriegsjnbel anszubrechen. Ich wendete mich zunächst nachSpaa, wo ich jemanden zu sprechen hatte. Dort trafenmich die Nachrichten von der Scene in Eins zwischen demKönige nnd Benedetti. Ich fahre nach Köln , wo ichDonnerstag, den 14., abends 10 Uhr ankomme und michsofort auf die Redaktion derKölnischen Zeitung " begebe.Ich treffe den Hauptredakteur, Herrn Schulz; er will nochimmer nicht bestimmt an den Krieg glauben, und als ich