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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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verboten seien, verzehrte aber nichtsdestoweniger von beiden,sowie vom Gefrorenen ansehnliche Portionen. Nach Tischwird ein ausführliches Gespräch gepflogen, namentlich überdas Verhältnis zu Osterreich und Ungarn . Bismarckbittet mich, mit Herrn von Abeken über verschiedene Preß-sachen zu konferieren. In den folgenden Tagen setzen sichdiese Besprechungeil über die vcrschiedeusteu Gegenständefort. Viel Merkwürdiges in meinen Aufzeichnungen. End-lich kommen die ersten Kriegsnachrichteu vou Weißenburg.Ich esse mit einigen Freunden im Holländischen Hof, woMoltke in unerschütterlicher Ruhe zu Häupten der Tafelsitzt. Es laufen Depeschen ein, die er mit Befriedigungliest; dann steckt er ruhig seiue Cigarre au und bleibtnoch längere Zeit nach aufgehobener Tafel sitzen. Am7. morgens kommt die Nachricht vom Siege bei Wörth.Bismarck sandte nach mir; er fragt mich, ob ich mit demHauptquartier und ihm mitausrücken wolle, um die Ver-bindung mit der deutscheu Presse zu unterhalten. DreiBeweggründe von gleicher Stärke bestimmen mich, alleschweren entgegenstehenden Bedenken zurückzudrängen: zu-nächst der Wunsch, in diesem großen Augeublick für meinkleines Teil mich nützlich zu machen, im Hinblick ansdie inneren politischen Angelegenheiten der deutschenEinigung, welche fetzt zum Austrag kommen mußten. So-dann der Anreiz, bei dieser wohl nie wiederkehrenden Ge-legenheit ein solch historisches Ereignis wie einen großenKrieg in nächster Nähe zu sehen; und endlich nicht amweuigsteu das Anziehende, mit einer genialen Persönlichkeit,wie die des großen Kanzlers, bei demselben Anlaß in engeBerührung zu kommeu, nachdem ich, ohne ihn gesehenzu haben, ihn zum Heldeu eiues kleinen Buchs gemachthatte. Eine Stunde, nachdem ich zugesagt hatte, saßich mit ihm in seinem Salonwagen in der Eisenbahn.