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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Dabei waren nur noch Herr von Abeken und der jungeHerr von Bismarck-Bohlen, welche zum engeren Gefolgedes Kanzlers gehörten. Wir fuhren den ganzen Tag,und beinahe ebenso lange hatte ich den Genuß einer, mankann sich denken, wie interessanten Unterhaltung unter vierAugen mit dem Grafen Bismarck. Auch hier unterdrücke ichden größten Teil meiner Notizen. Für vieles, was ichvon jetzt an erlebte, ist die Zeit der Veröffentlichung nochnicht gekommen; nur gauz weniges soll hier im Auszugestehen. Auch damals sagte mir Bismarck , aber ohnedes in neuester Zeit mitgeteilten Gesprächs mit Moltkeund Roon wegen der Emser Depesche zu erwähnen, daß,nachdem ihm einmal die Gewißheit des Angriffs vonfeiten Frankreichs festgestanden, er den König möglichstrasch zur Mobilisierung der Armee getrieben habe. Ichbrachte dann das Gespräch auf das, was mir am meistenam Herzen lag: wie soll aus diesem Kriege als Frucht diedeutsche Einheit gezeitigt werden. Der Kanzler ging nursehr vorsichtig auf das Thema ein; ihn präoccupierte vorallen Dingen das gute Verhältnis zu den einzelnenBundesfürsten; Preußen dürfe sich nicht den Anscheingeben, als wolle es, nachdem die deutschen Regierungen,und speziell auch die bayerische, sich jetzt zum Kriege ent-schlossen hätten, diesen Krieg benutzen, um sie zu berauben.Für den Fall des Sieges wolle er Elsaß und auch Metz(hierüber schwankte im Laufe des Feldzugs seine Meinung)als Reichsland zwar mit Baden verbinden, aber Badendürfe doch nicht größer werden; je mehr kleine Staaten esgebe, desto besser sei es für die zu schaffende Einheit.Selbst Waldeck habe er nur widerstrebend in Preußeu in-korporiert, die richtige Politik sei, die einzelnen Dynastienzu schonen. Nach den ersten Niederlagen werde Frankreich wohl zur Republik werden, aber das sei ihm ganz recht;