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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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bei Eintritt solcher Kombinationen, mit der nationalenPartei brouilliert, als ein schmollender Achilles unter seinemZelt gesessen hätte. An juristischen Bedenken werde er sichnicht stoßen, das sei nie seine Sache gewesen. Das Ge-spräch kam nun auf andere minder wichtige Angelegenheiten,wobei er von anekdotischen und witzigen Einfällen sprudelte.Bei der Cigarre nach Tisch sagte er, er rauche jetzt wiedermehr als zu Anfang des Krieges. Ich erwidere: wen derKrieg nicht umbringt, den macht er gesünder. Worauf er:Der Krieg ist des Menschen natürlicher Zustand." Nachlängerem Gespräch kommt Bismarck noch einmal auf dieIdee des in Versailles zu haltenden Reichstags zurück. Ichfrage ihn, ob man den Gedanken in die Öffentlichkeitbringen könne, worauf er entgegnet, die Sache sei bereitsheute nach Berlin telegraphiert worden. Ich erwidere: dannwird schon die Presse der Sache in den Weg treten; ichhalte sie für indiskutabel. Er repliziert: es geht aber nichtanders, wenn ich heiraten will, muß ich mir jetzt auchmeine Braut ins Lager kommen lassen. Es folgen nocheine ganze Reihe von spaßhaften Äußerungen über diesesThema, und abwechselnd wieder sehr ernste. Der wahreGruud, weshalb ich gegen die Berufung des Reichstagsnach Versailles hartnäckig am Widerspruch festhielt, bestanddarin, daß ich zunächst voraussah, die bürgerlichen Vertreterdes Volks würden unter der Wucht der hier konzentriertenbewaffneten Macht eine untergeordnete und etwas peinlicheStellung einnehmen, die bei ihrem ersten Auftreten alsRepräsentation des gesamten Deutschland keine glücklicheWirkung haben könnte. Auch schien es mir eine unnötigeDemütigung der Besiegten, einen solchen Staatsakt vordie belagerte Hauptstadt zu verlegen. Unter den Kollegenzu Hause, mit denen ich darüber korrespondierte, waren dieMeinungen geteilt. Bennigsen sagte mir später, er sei