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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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wieder nach Metz hineingelassen und mit den anderen ge-fangen worden wäre. Bezeichnend für Bismarcks Methodeschien mir, daß er sich mit dem durchaus unbekannten undseinem ganzen Auftreten nach den Stempel des Abenteurerstragenden Regnier überhaupt eingelassen hatte. Ich konntemir dies damals nicht recht erklären. Nach längerer Er-fahrung im Laufe der Zeit verstand ich es jedoch. Bismarckverschmähte es nie, irgend einen Faden zu ergreifen, der,wenn auch auf ganz unwahrscheinliche Weise, zu seinemZiele führen konnte, vorausgesetzt, daß er sich selber dabeinichts vergab. So viele Eventualitäten als möglich sichoffen zu halten, um die brauchbare zu benutzen, lag immerin seiner Methode. Im Punkt der Benutzung von Men-schen sagte er mir später bei einer ganz anderen Gelegen-heit:Einmal versuche ich es mit jedem; täusche ich mich,so lege ich ihn bei Seite."

Doch diese Borgänge traten für meine Aufmerksamkeitzurück hinter dem Wichtigsten, den Verhandlungen mit denEinzelstaaten über die Reichsverfasfung und die Schaffungdes Kaisertums. Mit Bayeru schien die Sache noch sehrschwierig zu stehen; noch kein einziger Punkt des Eintrittssei sicher gestellt, sagte mir ein Wohlunterrichteter. Eineigentümliches Zwischenspiel bildeten die Verhandlungen mitWürttemberg, das seine Zustimmung an die von Bayern knüpfte, während preußischerseits verlangt wurde, daßWürttemberg vorangehe, um Bayern nachzuziehen. Am8. November besuchte mich Delbrück und erzählte, daß esmit Bayern sehr schlecht, beinahe auf dem Nullpuukt stehe;ohne Bayerns Zutritt sei der Fürstenkongreß und die Kaiser-proklamation hier in Versailles nicht durchzuführen. Unter-deß waren auch die Verhandlungen mit Thiers abgebrochenworden. Sie scheiterten an der Bedingung, daß währendeines Waffenstillstandes Paris verproviantiert werden sollte,