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worauf natürlich deutscherseits nicht eingegangen wurde.Am 9. sagte mir Graf Berchem, der diplomatische AttachsBayerns , ein sehr gut gesinnter Mann, die parlamentarischeund militärische Einheit werde wohl auch mit Bayern zustände kommen; man lasse Bayern jetzt nur in seinerWiderspenstigkeit gewähren, um erst mit den anderen süd-deutschen Staaten fertig zu machen und sie nicht an denReservaten teilnehmen zu lassen, welche man Bayern gebenmüsse.
Während die Tage vom 10. und 11. November durchdie Nachrichten des Rückzugs von Orleans nicht ohne Be-klemmung dahin gingen, wurden namentlich die Verhand-lungen mit Württemberg lebhaft betrieben. Delbrück ließmich zu sich entbieten und bat mich, dahin mitzuwirken,daß in Württemberg die Nationalpartei sich mit der mini-steriellen verständige. Ich schreibe an einige Freunde nachStuttgart. Mit Bayern stand es noch immer schlecht. Am13. November kommt Delbrück zu mir: „Ich habe es Ihnenja immer gesagt, mit den deutschen Sachen ist man niegewiß, fertig zu werden; auf morgen 11 Uhr war die Unter-zeichnung der neuen Bundesakte für Württemberg, Hessen und Baden festgesetzt, da kommt Plötzlich gestern abendsein Telegramm des Königs von Stuttgart : die Ministersollen nicht unterschreiben ohne ausdrückliche Autorisation;jedenfalls trägt, die bayerische Sonderstellung die Schuld.Württemberg soll uicht ohne sein besonderes Würstchen aus-gehen, wenn Bayern eins bekommt." Ein dritter hoher Staats-beamter, der bei der Unterhaltung zugegen war, sagt: die Mo-narchen sind wirklich im stände, die Leute zu Republikanernzu machen, worauf ich erwidre: ihr Glück ist nur, daß die Re-publikaner die Leute wieder zu Monarchisten machen. Mitt-nacht und Suckow, die württembergischen Minister, sindsofort abgereist; sie wollen erst unterwegs nach Hause tele-