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graphieren, das; sie kommen, damit man sie nicht zurück-halte. Auch versprechen sie, eine Kabinetsfrage aus derSache zn machen. Hessen und Baden sollen nun definitivmorgen um 1 Uhr unterschreiben. Am 16. kam LotharBncher zu mir in des Kanzlers Auftrage, um die württem-bergische Angelegenheit mit mir zu besprechen. Ich sagtezum Schluß, es sei wohl besser, daß ich mit Bismarck selbsteine Unterredung habe, worauf dieser mich zu sich bittenließ. Er war sehr angegriffen und ärgerlich; seine Galle machte ihm zu schaffen. Er sprach besonders von den Um-trieben in Stuttgart , und wie auch die Frauen, namentlichdie Frau von Gasser, daran mitarbeiteten. Während derbayerische Gesandte, Graf Bray, versprochen hätte, dieWürttemberger zum Unterschreiben zu drängen, habe derKönig von Württemberg gesagt, er unterschreibe nicht ohnedie Bayern . Am folgenden Tage lag Bismarck zu Bett. Inmeinem Tagebuch heißt es hier: „Nun haben wir lauterKranke oder Rekonvaleszenten; Roon so krank, daß er durchStosch ersetzt werden soll; Moltke Rekonvaleszent, nur derKönig bleibt stramm." Nachträglich höre ich, der wahreGrund von Bismarcks neuer Erregung sei eine Ausein-andersetzung mit dem Kronprinzen gewesen wegen der deut-schen Angelegenheiten. Aus der Umgebung des Kronprinzenverlautet, daß dieser selbst von einer sehr heftigen Szenezwischen ihm und dem Kanzler erzählt habe. Aus Anlaßder diplomatischen Nückwärtsbewegung Württembergs inder deutschen Angelegenheit habe er sich zu Bismarck be-geben und ihm Vorwürfe gemacht, daß er nicht energischerauftrete, um Kaiser und Reich und ein Oberhaus zu schaffen;die große Zeit müsse benützt werden zu großen Dingen.Bismarck habe erwidert, er frage, ob er sich mit Württem-berg und Bayern , den treuen Bundesgenosfen, überwerfensolle, worauf der Kronprinz gesagt habe: wenn sie nicht