Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

442

mitthun wollten, möchten sie gehen, man könne eS mich ohnesie machen. Minister Jolly erzählt mir, er habe Mühe ge-habt, die deutsche Bundeskokarde für das badische Kon-tingent durchzusetzen; man habe ihm die preußische gebenwollen.

Es würde zu weit führen, wollte ich hier meine No-tizen ausführlich wiedergeben. Aber ich mnß lächeln, wennich lese, wie in offiziellen Reden aller Dank auf die Hoch-herzigkeit der deutschen Fürsten gehäuft wird. Ich über-spriuge die weiteren Erlebnisse auf diesem und anderenGebieten bis zum 26. November. An diesem Tage wurdeich zu Bismarck gerufen. Ich finde ihn um zwölf Uhrmittags im Schlafrock, furchtbar beschäftigt. In meinemTagebuch heißt es hier:es ist doch ganz unsagbar, wiedieser Mann sich anstrengt; er macht alles selbst, innerePolitik, deutsche, auswärtige, dabei ein Stück Krieg; dieganzen Hofintriguen sämmtlicher kleinen Höfe, Presse, allesgeht durch seine Hand; es ist kein Wunder, weuu er über-reizt ist. Es ist ein Drängen, Jagen, Nennen ohne Ende;sein Glück ist, daß er lange schlafen kann." Wir sprechenüber Württemberg . Ich teile ihm den Inhalt meiner ausStuttgart empfangenen Briefe mit. Er bemerkt, daß erbereits in gleichem Sinne Delbrück instruiert habe; übrigenssei man jetzt mit Württemberg und Bayern fertig, es habekeinen Anstand mehr; der Bruch wäre keinen Augenblickernst gewesen. Er fuhr fort, Bayern hätte ihm Dinge an-gesonnen, auf die er geantwortet, das würde ihm der Reichs-tag nie uud nimmer votieren, worauf die Bayern damitherausgerückt feie», daß die Nationalliberalen dies schonbei Laskers Anwesenheit in München zugegeben hätten.Als ich eine ungläubige Bemerkung dazu machte, ward erwild, daß ich anzweifle, was er schriftlich habe, und ließ dieAkten bringen. Auf dem einen Bündel stand mit Bleifeder