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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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geschrieben:Lasker", auf dem anderen:Marquard-Barth ".Aus den Akten Lasker las er mir vieles vor, während ichmir Noten machte. Sie enthielten zehn Punkte, in welchenBayern Abweichungen von dem Bundesvertrag eingeräumtwaren, namentlich im Punkte der Militärübereinkunft. Ichsagte, die allgemeine Ansicht der Partei gehe gerade dahin:lieber kein Bayern im Bunde als so viele Vorbehalte, daßes kein Bund mehr sei; worauf Bismarck , das sei nichtseine Ansicht, vor allen Dingen müssen alle herein; welcheFigur würden wir vor Europa machen, wenn Bayern sichabblätterte, wir würden unsere Stellung gegen Österreich schwächen, uein, nur erst einmal alle herein! Wenndie Rede auf Lasker kam, brach immer eine verhaltene Ge-reiztheit bei Bismarck hervor. Gleich in den ersten Tagen,als wir am Abend des 8. August beim Abendessen imZimmer des Gasthofes zu Homburg in der Pfalz saßen, warBismarcks Blick auf Robert Blums lithographisches Bildgefallen, welches an der Wand hing. Wenn der noch lebte,sagte er, würde er nicht so radikal sein wie Lasker; er habeüberhaupt manche gute Seite gehabt, besonders, daß er garnicht sozialistisch angehaucht gewesen sei.

Ich lasse mir später von Bücher die zehn PunkteLaskers und auch die Notizen von Marquard-Barth geben,schreibe sie ab uud schicke eine weitere Abschrift an Laskermit der Aufforderung, sich zu erklären. Als ich am Abenddieses Tages beim Kanzler war, sagte mir Herr von Keudell:eben wird alles fertig gemacht und unterzeichnet, nämlichdie Deutsche Bundesakte. Roon kam gerade heraus, undBismarck sah strahlend aus. Von anderer Seite wurde mirmitgeteilt, die Bayern sollen die Kaiserkrone bringen.

Bald darauf hatte ich Antwort von Lasker. In derThat waren die zehn Punkte von ihm, dagegen hatte Laskernicht das abgesonderte Kriegsbudget Bayern gewähren wollen,