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das ihm jetzt belassen wurde. Am Tage des 26., nachdemich die Gewißheit erlangt hatte, daß nunmehr Kaiser undReich sichergestellt seien, konnte ich mir nicht versagen, vonOrt und Stelle aus noch am selben Abend meinen Ge-danken schriftlich ihren Lauf zu lassen. Ich hatte in dendrei Perioden des Zollparlaments von 1868 bis 1870 eineReihe von Briefen an die Wühler geschrieben, welche denZeitungen der nationalliberalen Partei zngingen und vonihnen veröffentlicht wurden. Der letzte war vom 22. Maides Jahres datiert. Nun war der Moment gekommen, demZollparlament für immer das ersehnte Lebewohl zu sagen.Dies that ich mit dem hier folgenden Rundschreiben, welchessowohl als Merkzeichen des Erlebten, wie um seines Aus-blicks in die Zukunft wegen hier einen Platz finden darf —um fo mehr, als es in dem soeben erschienenen IV. Bandmeiner gesammelten Schriften nicht abgedruckt ist, weil ichmein Tagebuch erst nach dem Erscheinen wieder öffnete.
Mein letzter Zollparlamentsbrief.*)
„Durch Einheit zur Einigkeit."Das amtliche Blatt der deutschen Regierung zu Versailles ver-kündet heute am Sonnabend, 26. November 1870, einem Datumwelches man sich merken sollte, daß der deutsche Bund gegründetund besiegelt ist. Hier im Angesicht von Paris ist wundersam be-zeichnender Weise die große Arbeit vollbracht worden. Was sichalles über diesen Schicksalsweg denken läßt, wer vermag es zu um-fassen! Heute Nacht sind die bayerischen Minister in ihre Heimatabgereist, gewiß leichteren Herzens, als wäre ihnen gelungen, alleererbten Privilegien der Krone unvermindert in stolzer Einsamkeitzu erhalten, wie es einmal werden zu wollen den Anschein gehabt.Endlich auch zeigt uns noch der „Moniteur des Departements Ssiuset Oiss" **) am Horizont etwas, das, wenn nicht mein Auge trügt,ähnlich sieht einem näher wallenden deutscheu Kaisermantel. In
Abgedruckt u. a. in der „National-Zeitung" vom 7. Dezember 187V.**) Die vom Hauptquartier in Versailles herausgegebene französischabgefaßte amtliche Zeitung.