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Neubau der Weltwirtschaft / von Gerhart von Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
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mäßige Kontingentierung ist um so möglicher, als es sicheigentlich um sehr wenige Seemächte handelt; die Abrüstungauf der See ist unendlich viel leichter durchzuführen als dieauf dem Lande, wo zahlreiche verschiedene Nationen mitmannigfaltigen Kulturen in Betracht kommen, und wo dieallgemeine Wehrpflicht tiefe moralische und historische Wurzelnhat. Eine maritime Machtkontingentierung führte in letzterLinie zur Herstellung des Seegleichgewichts und zu einerinternationalen Seepolizei, die gegen denjenigen sich wendete,der in Kriegszeiten den Grundsatz der Ereiheit der Meereantasten wollte. Ich möchte in dieser Beziehung nicht miß-verstanden werden. Ich prophezeie hier nichts. Aber denSatz werden Sie mir zugeben: die Sache ist leichter aufder See durchzuführen, als hinsichtlich der Landheere undwenn England von Abrüstung spricht, so kann es auf diesemGebiete zeigen, daß es ihm ernst ist.

Wenn so die technische Waffe des U-Bootes in die Richtungauf die freien Meere hin drängt, so werden wir auf der anderenSeite auch den Wirtschaftskrieg nach dem Kriege nicht allzuernst nehmen können, wenigstens nicht in einer Hinsicht. Umauch hier nicht der Utopie geziehen zu werden, verweiseich darauf, daß vor kurzem ein gewiß unverdächtiger Zeuge,nämlich derTemps ", diese Idee für undurchführbar bezeichnete,und daß die leitenden britischen Freihändler, z. B. der be-kannte Großindustrielle Sir Hugh Bell, gegen sie protestierte,ebenso der einflußreicheManchester Guardian ". Ich meine,hier läßt sich doch wohl ein Satz mit Sicherheit feststellen.Dieser Krieg bedeutet gerade in dem Maße, als er sich hin-zieht, eine solche Kapitalvernichtung, einen solchen Verschleißvon Eisenbahnen, Maschinen, Schiffen, Bodenkräften usw., daßnach dem Kriege der Warenhunger alles andere beherrschenwird, daß an ihm der Wirtschaftskrieg nach dem Kriege scheiterndürfte. Ein derartiger Warenhunger wird vorhanden sein, daßman einfach dort kauft, wo man etwas bekommen kann, daßdagegen der Verkäufer, der Anbietenden, nicht allzu viele seinwerden. Insbesondere vernehmen wir, daß gegenwärtig bereitssich eine stürmische Nachfrage nach deutschen Waren auf über-seeischen Märkten anstaut. Das knappe Augebot dürfte damitim Preiskampfe .sich mächtiger erweisen als die weit umfang-reichere Nachfrage.

Ich möchte diese Gedanken aber hier nicht weiter aus-führen, sondern im einzelnen einige der wichtigsten Länderhervorheben. Für Belgien würde der Wirtschaftskrieg nach